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Beate Hemmerlein

„Wiedersehen im Küstenland“ / Streifzug mit Theodor Heinrich Mautner Markhof durch Brioni

29. Mai 2020/in Allgemein /von Beate Hemmerlein

Nach den beiden Bestsellern „Nächstes Jahr im Küstenland“ und „Irgendwann im Küstenlanland“ gelangt die Erfolgsautorin und Verlegerin Christine Casapicola im Zuge ihrer Reise entlang der k. u. k. Adria nun auch nach Brioni, dem Inselparadies Paul Kupelwiesers. Gemeinsam mit Theodor Heinrich Mautner Markhof erforscht sie vor Ort das Erbe seines Ururgroßvaters und lässt ihn aus dem familiären Nähkästchen plaudern. Familien-Geschichte aus erster Hand.

„Wiedersehen im Küstenland“, Christine Casapicola

Leseprobe „Brioni | Das verlorene Paradies“ aus „Wiedersehen im Küstenland“, Christine Casapicola

 

Im selben Buch kommt ein weiteres Mitglied der Familie Mautner Markhof zu Wort – Theodor Heinrichs Mutter Margherita Mautner Markhof, geborene Contessa Cassis Faraone, führt durch den Abschnitt Aquileia, der Region, die maßgeblich vom Wirken ihrer Vorfahren geprägt ist.

Beate Hemmerlein

Prof. Mag. Alfred Paleczny auf den Spuren der Bierbrauerdynastie Mautner Markhof

15. Mai 2020/in Allgemein /von Beate Hemmerlein

Alfred Paleczny, geb. 1948, hat bis 1983 im Kommunalwissenschaftlichen Dokumentationszentrum und dann bis 2011 im Österreichischen Sparkassenverband gearbeitet und publizierte in dieser Zeit bereits eine Reihe von wissenschaftlichen und bankhistorischen Schriften. Da er sich seit seiner Pensionierung intensiv mit der Geschichte der Wiener Brauereien und Brauherrenfamilien beschäftigt, werden bei seinen Recherchen auch immer wieder Mitglieder der Familie Mautner Markhof miteinbezogen. So hat er bereits im Jahr 2018 bis dahin noch unveröffentlichte Dokumente aus dem reichhaltigen Familienarchiv von Almuth Mautner Markhof (Witwe von Peter und Schwiegertochter von Georg II. Anton) zusammengefasst, die im „Jahrbuch 2018 des Vereins für Geschichte der Stadt Wien“ erstmals veröffentlicht wurden. Auch in seinen beiden Büchern „Die Wiener Brauherren: das goldene Bierjahrhundert“ und die „Wiener Bier-Geschichte“ spielt die Familie naturgemäß eine bedeutende Rolle.

Alfred Paleczny wurde 2018 für seine wirtschaftshistorische Tätigkeit mit dem Berufstitel Professor ausgezeichnet, sein aktuelles Projekt, Erscheinungsdatum Herbst 2021, beschäftigt sich im Auftrag der Brau Union mit der Geschichte der Brauerei Schwechat, beginnend 1796 bis zum Verkauf an Heineken.

Beate Hemmerlein, Theodor Heinrich Mautner Markhof, Martin Mautner Markhof und Alfred Paleczny bei den Recherchearbeiten zur Geschichte der Brauerei Schwechat.

Prof. Mag. Alfred Paleczny mit seinem Werk „Die Geschichte der Brauerei Schwechat“

Beate Hemmerlein

High Life – der Society Almanach 1912

2. Juni 2018/in Allgemein /von Beate Hemmerlein

Der „High Life“-Almanach“. Das Adressbuch der Gesellschaft Wiens und der österreichischen Kronländer, 1912

„High Life“. Das Adressbuch der Gesellschaft Wiens und der österreichischen Kronländer, 1912

„High Life“ war der Name des ab 1905 jährlich publizierten Almanachs, der einen Querschnitt durch die österreichische Gesellschaft der Jahrhundertwende, inkl. Hofstaat, Kaiserhaus, Diplomatie und Klerus darstellte. Er enthielt das jeweils aktuellste Adressverzeichnis und war in Wien und die Kronländer gegliedert. In den Sektionen „Wiener Gesellschaft“, „Herzogtum Steiermark“, „Erzherzogtum Österreich unter der Enns / ober der Enns“ und „Tirol und Vorarlberg“ finden sich Mitglieder der Großfamilie Mautner Markhof.

Mitglieder der Großfamilie Mautner von Markhof im „High Life“-Almanach“, 1912

Beate Hemmerlein

Das „Papstfenster“ der Familie Mautner Markhof

10. März 2018/in Allgemein /von Beate Hemmerlein

Gianangelo Graf Braschi (*1717 – †1799), Papst Pius VI., war der erste amtierende Papst, der Wien besuchte. Dazu veranlasst sah er sich aufgrund der reformistischen Pläne Joseph II., der im josephinistischen Habsburgerreich das Prinzip der Staatskirche einführen wollte, was erhebliche Beschränkungen des päpstlichen Einflusses – selbst in geistlichen Fragen – zur Folge gehabt hätte.

Am Weg zur Kirche Maria Geburt absolvierte er am 11. April 1782 einen Aufenthalt in St. Marx, wo er von einem Fenster aus die davor versammelte Menschenmenge segnete.

St. Marx im 18. Jahrhundert

In Gedenken an diesen Besuch ließ Adolf Ignaz besagtes Fenster später kunstvoll umrahmen.

Papstfenster (links) Brauerei St. Marx

Beim Abriss von St. Marx wurde diese wunderschöne Umrandung abmontiert und in der Familie erhalten. Sie schmückte seitdem ein Fenster der Villa von Manfred I. Mautner Markhof, begrüßte die Besucher beim Eintritt in den Rosenhof und ziert im 21. Jahrhundert die Hausfassade von Theodor II. Heinrich Mautner Markhof.

Papstfenster Dittmanngasse 5 (Manfred I. Mautner Markhof)

Papstfenster Rosenhof

Papstfenster Rosenhof

Papstfenster Dittmanngasse (Theodor II. Heinrich Mautner Markhof)

Beate Hemmerlein

Der Rosenhof

4. März 2018/in Allgemein /von Beate Hemmerlein

Der unter Denkmalschutz stehende Rosenhof in der heutigen Mautner Markhof Gasse 50 (vormals Dorfgasse, die damaligen Hauptstraße von Simmering) wurde um 1670 als Sitz der Grundherrschaft an der Stelle dreier dem Himmelpfortkloster zinspflichtigen Anwesen errichtet. Erbauer des Herrensitzes war Siegfried Christoph der Jüngere, Graf von Breuner. Nach der Aufhebung der Grundherrschaft begann Graf Simche Sigmund Rapaport 1850 dort mit der Erzeugung von Spiritus.

Der Rosenhof befand sich südlich der angrenzenden Simmeringer Brauerei der Familie Meichl. Als Adolf Ignaz Mautner in St. Marx an Kapazitätsgrenzen stieß, musste er deshalb in der Prager Straße 20, Wien Floridsdorf, einen zweiten Standort für die Produktion von Presshefe und Spiritus eröffnen. 1861 erwarb er den Rosenhof als dritten Standort, auf dem er dann in weiterer Folge nicht nur Spiritus erzeugte, sondern vor allem auch Hefe, da er dabei auch die Brauereiabfälle aus St. Marx verwerten konnte. Sein Sohn Georg Heinrich bezog als erster die Wohnung im ersten Stock des Rosenhofes, erst 1864, nach seiner Eheschließung mit Charlotte Biehler, übersiedelte er auf das neue Betriebsgelände in der Prager Straße 20.

Nachdem 1913 die „Ad. Ign. Mautner Ritter von Markhof & Sohn Brauerei St. Marx AG“ mit Meichl und Dreher zur „Vereinigten Brauereien Schwechat, St. Marx, Simmering – Dreher, Mautner, Meichl Aktiengesellschaft“ fusioniert hatte, trat auch der Rosenhof in deren Eigentum über. Er war weiterhin Wohnhaus für die Fabrikdirektoren und Verwaltungsgebäude.

Der Rosenhof bestand aus drei Gebäudetrakten. Nach dem 2. Weltkrieg diente ein Trakt Georg III. „Buwa“ als Wohnsitz, in ihm befand sich auch sein Chefbüro und das von Manfred I., respektive danach die ihrer Söhne Georg IV. J. E. und Manfred II.. In seinem berühmten Sitzungszimmer, dem „Roten Salon“, fanden bis zum Verkauf des gesamten Geländes an die Wien Süd (2006), alle wesentlichen Meetings statt. Auch war das Labor der Hefe darin untergebracht. Ein weiterer Trakt beherbergte die Verwaltung und Kassa der Hefe – legendär der große Panzerschrank, in dem die Lohnsackerl der ArbeiterInnen aufbewahrt wurden. Der dritte Trakt war bereits Teil der Hefefabrik.

Seit 2012 ist der Rosenhof Teil des JUFA Seminarhotels Wien City, schön restauriert und in das moderne Baukonzept integriert.

Rosenhof / Gartenfront um 1880

Rosenhof / Innenhof

Rosenhof / Garten

Rosenhof Simmering Dorfgasse 50, 1950

Der Rosenhof in Simmering 2005 vor dem Umbau in ein Jugendhotel. © Alfred Paleczny

Gedenktafel Rosenhof

Der Rosenhof integriert in die moderne Architektur des Jufa Hotels Wien City

Beate Hemmerlein

Schwechat in Zeiten der NSDAP

3. März 2018/in Allgemein /von Beate Hemmerlein

Mit dem Einmarsch der Deutschen brach eine sehr schwierige Zeit an, nicht in geschäftlicher Hinsicht, denn der Absatz Schwechats stieg raketenartig auf über eine Million Hektoliter an – wohl aber in persönlicher Hinsicht.

Georg III. hatte sich im Sommer 1935, während der Verhandlungen um die Übernahme St. Georgs in die Vereinigten Brauereien vom Generaldirektor der Brau AG, Julius Seiler, mit dem er sehr freundschaftliche Beziehungen pflegte und der die anerkannteste Autorität in der österreichischen Brauindustrie, nach dem Ableben Schneebergers, war, ein Gutachten über den Wert der gesamten Einrichtung St. Georgs geben lassen. Es beruhte auf der Bewertung von fixen Sätzen von Sudhaus, Lagerkeller, Gärkeller, etc. nach deren Größe. Diese Bewertung ergab nach Herabsetzung des St. Georg-Kapitals auf neunzig Millionen Schilling / 6.540.555,- EUR auf die Hälfte, durch entsprechende Verringerung der bestimmt uneinbringlichen Debitoren, einen Betrag von vierundfünfzig Millionen Schilling / 3.924.333,- EUR. Dieses Gutachten Seilers über den Wert der Einrichtung St. Georgs hat Georg III. in Folge das Leben gerettet, ihn jedoch in jedem Fall vor jahrelanger Haft bewahrt. Die NSDAP hatte nämlich 1939 gegen ihn eine gerichtliche Voruntersuchung mit zwei Anklageposten eingeleitet. Der erste Punkt lautete, er hätte die Majorität der Vereinigten Brauereien AG zu billig gekauft und damit das Volksvermögen geschädigt. Seine Antwort war, dass man doch höchstens den Bankinstituten vorwerfen könne, sie hätten zu billig verkauft, aber nicht ihm, dass er zu billig gekauft hätte. Van Hengel, der holländische Generaldirektor der Creditanstalt war inzwischen bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen und die verschiedenen Bankdirektoren in alle Winde verweht worden. Georgs Anwalt, Dr. Armin von Dittrich, konnte also diesen ersten Punkt eliminieren. Der zweite Anklagepunkt lautete, dass die Brauerei St. Georg zu teuer an Schwechat verkauft worden war und auch damit wiederum das Volksvermögen geschädigt worden wäre. Da nun Generaldirektor Seiler in der Ostmark der einzige Fachmann auf dem Gebiet der Bewertung von Brauereieinrichtungen war, so musste wohl auch sein Gutachten bezüglich St. Georg zur Kenntnis genommen werden. Dr. von Dittrich erreichte schließlich die Einstellung der Voruntersuchung zur Eröffnung der eigentlichen Untersuchung.

Unmittelbar nach dem Anschluss stellte sich auch heraus, dass es in Schwechat eine sehr aktive geschlossene illegale Zelle der NSDAP gab. Ihr gehörten nicht nur der technische Direktor Schreder, sondern auch die Mehrzahl aller prominenten Beamten, wie der Braumeister, der Leiter der Mälzerei, der Sekretär des Generaldirektors, die Leiter des Kundenschutzbüros, des Laboratoriums, des Auto-, Maschinen- und Elektrobetriebes, etc., an. Zum Vergleich sei erwähnt, dass es in Simmering, wie sich 1938 zeigte, nur zwei Illegale gab; die Sekretärin und den Chauffeur des Generaldirektors. Ing. Schreder, den Georg III. besonders geschätzt, ihn sogar 1937 als Trauzeugen gebeten hatte, war ein besonderer Schock und eine enorme Enttäuschung. Wie er später bewiesen hatte, war er zwar sehr intelligent und tüchtig, doch beispiellos charakterlos gewesen. Ende April 1938 hielt der Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert Ley, eine ganz besondere Versammlung in der Autohalle in Schwechat ab. Nach seiner Rede wurde im Lautsprecher verkündet, dass der nunmehrige Betriebsführer antworten würde. Als Georg III. sich zu diesem Zweck erhoben hatte, meldete sich bereits Schreder und hielt Ansprache. Nach der Versammlung setzte Georg III. ein Zeichen und „schüttelte ihn wie ein lästiges Insekt ab“. Die NSDAP-Verschwörer wurden teils noch 1938, teils nach dem Krieg aus dem Unternehmen entfernt. Nach dem Rencontre mit Schreder stellte die Partei das Verlangen nach dem sofortigen Rücktritt von Georg III., dem dieser jedoch nicht entsprach, sondern seinerseits ankündigte Ing. Schreder fristlos zu entlassen. Daraufhin folgte eine hochnotpeinliche Untersuchung, während derer einwöchigen Dauer Georg III. untersagt wurde Schwechat zu betreten. Obwohl die Partei ihm nach der Untersuchung erstaunlicherweise völlig recht gab, konnte sie jedoch unter keinen Umständen offiziell eine derartige Niederlage auf sich nehmen. Georg III. kam ihnen jedoch mit seiner freiwilligen Rücktrittserklärung vom 31. Juli 1938 zuvor. Am 1. August trat nämlich das deutsche Aktienrecht in Kraft, das keinen Verwaltungsrat, sondern einen Aufsichtsrat und Vorstand vorsieht. Karl Dittl von Wehrberg wurde daraufhin zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates bestellt, die stellvertretenden Vorsitzenden waren Richard von Schoeller und Manfred I., Mitglied wurde Gerhard Mautner Markhof, im Vorstand verblieb Gustav I. Mautner Markhof (Viererzug). Georg III. schied aus allen Vertretungskörpern aus und zog sich wieder nach Simmering zurück.

Im Frühjahr 1939 wurde Manfred I., in der Schwechater Zentrale, gleichzeitig mit Georg III., in Simmering, von der Gestapo verhaftet und ins Polizeigefängnis eingeliefert. Nach fünf Tagen wurden beide wieder entlassen, jedoch als Georg III. eine Woche später neuerdings verhaftet wurde, konnte er vor seiner Abführung noch Manfred I. verständigen, sodass dieser rechtzeitig entfliehen konnte. Nacht für Nacht in einem anderen Hotel wohnend, war dieser in Deutschland untergetaucht, um dann, nachdem man ihm versichert hatte, dass alles in schönster Ordnung sei, bei seiner Rückkehr nach Wien doch verhaftet zu werden. Georgs Haft dauerte neun Wochen, Manfreds sechs. Danach wurden beide zum Gauleiter Bürckel gebracht, der sich bereit erklärte mit beiden einen Pakt zu schließen. Bei Ablehnung würden sie ins KZ entsandt werden. Der Pakt sah vor, dass Georg III. sich jeglicher geschäftlichen Tätigkeit in Österreich zu enthalten hätte, es ihm jedoch gestattet war seine Auslandsinteressen wahrzunehmen. Es wurde auch kategorisch verlangt, dass die Familie ihren dominierenden Status in Schwechat aufzugeben hätte und, um dies zu dokumentieren, sofort einen Teil der Aktien verkaufen müsse. Man solle im Gegenzug versuchen, den Einfluss auf die Brauerei Schwechat gegen einen auf irgendeine andere Großbrauerei in Deutschland einzutauschen. Selbstverständlich erklärten sich beide bereit, wurden am kommenden Tag entlassen und am übernächsten übersiedelte Georg III. bereits nach Deutschland, um eine weitere Verhaftung zu vermeiden. Er verkaufte dann 3 % von Schwechat (zum Tageskurs) an die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken, Manfred 1 %. An der Stimmmajorität von 57 ½ Prozent änderte dieser Verkauf nichts, erfüllte aber formell den Wunsch der NSDAP. Tatsächlich gestattete die NSDAP Georg III. bis 1943 ins befreundete wie neutrale Ausland zu reisen, also nach Italien, die Schweiz und Spanien. Er selbst konnte sich nie erklären, warum man ihn einerseits für so staatsfeindlich hielt, dass er in der Ostmark nicht arbeiten, aber gleichzeitig frei ausreisen durfte. Ein Fachmann bezüglich nationalsozialistischer Tricks klärte ihn später darüber auf: Bei der NSDAP musste alles „legal“ vor sich gehen. Man ließ ihn daher ins Ausland reisen, in der sicheren Hoffnung, dass er nicht zurückkommen würde. In diesem Fall hätte man „legal“ im Sinne der Sippenhaftung das ganze Familienvermögen eingezogen. Zur Verzweiflung der Gestapo jedoch kam er immer wieder zurück. Bis 1943 – ab diesem Zeitpunkt hatte er keine Ausreisegenehmigung mehr erhalten.

 

Quelle: Vortrag „Schwechat und die Familie Mautner Markhof“, gehalten
von DDr. Georg Mautner Markhof am 5. Juni 1974

 

Protokoll NS-Festnahme von Georg III. und Manfred II. Mautner Markhof, 4.4.1939

Zeugenaussage Manfred II. Mautner Markhof in der Strafsache Phillip Schöller, 18.6.1946

Restitution Claim to Hotel Kaiserkrone Bad Ischl by Brauerei Schwechat/USACA

Beate Hemmerlein

Brauerei Jedlesee und die Familien Bosch, Dengler und Mautner Markhof

2. März 2018/in Allgemein /von Beate Hemmerlein

Die Jedleseer Brauerei war die erste Brauerei in Floridsdorf, die später mit den Brauereien der Familie Mautner Markhof fusioniert wurde. Sie wurde 1787 von Anton Freiherr von Störck, dem Leibarzt von Maria Theresia gegründet, nachdem er 1778 die Herrschaft mit dem dazugehörigen Herrschaftshaus gekauft hatte. Da er als Arzt vermutlich um die gesundheitsfördernde Wirkung von Bier Bescheid wusste, errichtete er in der Prager Straße 84 das „Herrschaftliche Brauhaus zu Jedlesee“. 1790 erwarb Josef Obergfell Freiherr von Grechtler das Grundstück und damit die Brauerei, danach folgten noch weitere Besitzerwechsel, die nicht ausreichend dokumentiert sind.

1815 wurde das Brauhaus von Anton Bosch, dem Sohn eines bayrischen Brauherren des Fürsten Oettingen-Wallerstein, übernommen. Anton Bosch war auf seiner Walz nach Jedlesee gekommen, arbeitete dort als Kellerknecht, kehrte nach Wallerstein zurück, um das Braugewerbe zu erlernen und danach die Tochter von Jakob Wohl, dem Betreiber des Spitzer Wirtshauses* und damaligen Eigentümer der Brauerei Jedlesee heiraten zu können. Bosch begann die bestehenden Anlagen zu modernisieren, baute ein neues Sudhaus und eine Mälzerei und die dadurch verbesserten Biersorten erfreuten sich alsbald größter Beliebtheit. Auch konnte die monatliche Produktion von 800 auf bis zu 10.000 Eimer (ca. 6.400 hl) gesteigert werden. 1823 baute er das Wohnhaus in der Prager Straße 84 im klassizistischen Stil um, und als 1830 die große Überschwemmung die Häuser in Jedlesee zerstörte, rettete er hunderten Menschen das Leben, indem er ihnen Schutz im oberen Stockwerk des Hauses bot. Auch sonst half er der örtlichen Bevölkerung in vielen Belangen und erhielt dafür als Ehrung vom Kaiser die Bierzollfreiheit nach Wien. 1834 beschäftigte er 25 Arbeiter und war 1837/38 mit 112.000 Eimer der größte Bierhersteller der Stadt. Auch war Anton Bosch war von 1851 – 1853 erster Ortsvorsteher von Jedlesee. Als er 1868 starb, hatte sein ältester Enkel Anton (Sohn von Boschs Tochter Theresia und Johann Franz Dengler) die Brauerei bereits übernommen und modernisierte erneut die Anlagen.

Anton Dengler, verheiratet mit der Münchner Brauertochter Elisabeth Pschorr, führte das Unternehmen sehr erfolgreich und machte daraus einen industriellen Großbetrieb. 1877 baute er in Langenzersdorf einen Lagerkeller, der als einer der größten Europas galt. 1899 wurde im Anschluss an das Wohnhaus (Prager Straße78/Ecke Hopfengasse, die Häuser Nummer 80 und 82 waren einstöckige Wohnhäuser für Brauereiangestellte) die Brauhausrestauration Zum Gambrinus, benannt nach dem Schutzheiligen der Bierbrauer, eröffnet. 1900 übernahm sein Sohn Rudolf Dengler die Brauerei. Bereits 1902 beschäftigte dieser über 200 Angestellte, die 130.000 hl produzierten. 1906 kaufte er den Magdalenenhof am Bisamberg und errichtete 1911 daneben eine Villa, die seiner Mutter als Altersitz diente.

1921 wurde Jedlesee in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, welche unter Rudolf Dengler AG firmierte. 1928/29 kam es in Folge der Weltwirtschaftskrise schließlich zur Fusion mit den Vereinigten Brauereien Schwechat, St. Marx, Simmering. Nach einem Aktientausch wurde sie 1930 stillgelegt und ihr Hauptaktionär Wolfgang Bosch bekam neben einem Aktienpaket ebenfalls einen Sitz im Verwaltungsrat. Er war der letzte Nachkomme einer Brauherrendynastie, die gemeinsam mit der verschwägerten Familie Dengler mehr als 100 Jahre in Jedlesee tätig gewesen war.

1978 wurden das alte Haus Prager Straße 84 und die ehemals zur Brauerei gehörigen Häusern Nummer 82 und 80 abgerissen, sie hatten sich zuletzt im Besitz der Glasfabrik Lutzky & Co. befunden. 1980 folgte auch der Bierlagerkeller. Das Haus Nummer 78 ist der letzte Überrest der Jedleseer Brauerei.

Das Brauhaus Jedlesee um 1955

*Der erste Stock im Wirtshaus am Spitz bot einen Schutzraum für die Anrainer, wenn die Donau wieder einmal über die Ufer trat. Ab 1887 diente das Lokal, das seine Gäste einfachheitshalber „Spitzwirtshaus“ nannten, außerdem auch als Gemeindehaus der Ortsgemeinde Floridsdorf und in den Jahren von 1894 bis 1901 der Großgemeinde Floridsdorf, die –  ebenso wie die Reichshauptstadt Wien – immer noch in Niederösterreich lag. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte man für Floridsdorf jedoch plötzlich größere Pläne. Sollte Wien wie beabsichtigt Reichsunmittelbarkeit erlangen, also direkt dem Kaiser unterstellt und damit von Niederösterreich getrennt werden, dann (so der Wunsch des Statthalters des Erzherzogtums Unter der Enns, Erich von Kielmansegg) sollte Floridsdorf die neue Hauptstadt von Niederösterreich werden. Da eine Landeshauptstadt in spe selbstverständlich auch ein repräsentatives Rathaus braucht, wurde das alte Wirtshaus geschliffen und zwischen 1901 und 1903 unter dem Floridsdorfer Bürgermeister Anton Anderer (1857 – 1936) das heutige Bezirksamt errichtet. Das viergeschossige Floridsdorfer Rathaus im barock-klassizistischen Stil nach dem preisgekrönten Entwurf der Architekten Josef und Anton Drexler besaß ursprünglich auch einen weithin sichtbaren Uhrturm, der im Zweiten Weltkrieg jedoch durch Bomben zerstört und danach nicht mehr wiedererrichtet wurde. In der Erdgeschoßzone sollten kleine Geschäfte und Lokale daran erinnern, dass an dieser Stelle einst ein Gasthaus stand.

Brauhaus Jedlesee um 1830

Brauhaus Jedlesse

Brauhaus Jedlesee, 1858

Floridsdorfer Hauptstraße und Markt. Links ein Teil des „Spitzer Wirtshauses“, ca. 1895

Brauhausrestauration „Gambrius“ der Brauerei Jedlesee

Das viergeschossige Floridsdorfer Rathaus im barock-klassizistischen Stil nach dem preisgekrönten Entwurf der Architekten Josef und Anton Drexler.

Beate Hemmerlein

Kleingartensiedlung Mautner Markhof

20. November 2017/in Allgemein /von Beate Hemmerlein

Die heutige Kleingartensiedlung Mautner Markhof entstand unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Großjedlersdorf, auf den Gründen der Familie Mautner Markhof. 1946 wurden 84 Parzellen abgeteilt, vermessen und an Kriegsversehrte sowie an Eisenbahner verlost. Eine Baracke wurde gekauft, saniert und dient noch heute als Vereinshaus. Die teilweise bestehende Wasserleitung wurde mit Rohren, die aus der Lokomotivfabrik stammten, erweitert. Die Einfriedungen, hergestellt aus selbstgeflochtenen Gittern, sind teilweise heute noch vorhanden.

Der Vereinsname lautete: „Kleingartenverein ÖBB-Landwirtschaft Nr. 63“, die Gesamtfläche betrug 30.397 m2 und die Pacht betrug öS 2.735,73 (10 g/m²), entspricht EUR 199,00. Die erste protokollierte Sitzung fand am 22. Jänner und die erste Generalversammlung am 29. Februar 1948 statt. Der erste Vereinsobmann Johann Seidl bekleidete dieses Amt 20 Jahre lang.

Waren die Parzellen anfangs noch als Grabeland ausgewiesen, um durch Anbau von Obst, Gemüse, Wein und der Zucht von Hühnern und Hasen die Lebensmittelknappheit zu lindern, so entwickelte sich auch diese Anlage im Laufe der Jahre zum Erholungsgebiet mit vereinsmäßiger Verwaltung. Doch blieb sie auch über den Beschluss des Kleingartengesetztes von 1958 hinaus weiterhin als „Grabeland“ tituliert. Das im Jahr 1961 von Mautner Markhof gestellte Kaufangebot über öS 60,00/m² bzw. öS 1,8 Mio. für das gesamte Areal konnte von den Pächtern aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht wahrgenommen werden, so wurde das Grundstück von der Gemeinde Wien gekauft.

Da seit dem Jahr 1950 eine Verbauungsplanung für das Grundstück bestand, mussten die Pächter in den folgenden Jahrzehnten immer wieder befürchten, dass sie zugunsten von Wohnbauvorhaben weichen mussten. Für diesen Fall waren Ersatzgründe zugesagt. Im Jahr 1974 wurde die Koloniestraße um 2 Meter verbreitert, Flächen der Anlage mussten dafür abgetreten werden. 1976, nach dreißigjährigem Bestehen, wurde elektrischer Strom eingeleitet und auch der Übertritt von der ÖBB-Landwirtschaft zum Zentralverband mit 1.1.1977 war beschlossen. Der Vereinsname wurde somit auf „Kleingartenverein Mautner Markhof“ geändert, für den Dr. h. c. Manfred I. Mautner Markhof am 19. März 1978 den Ehrenschutz übernahm. Ab dem Jahre 1985 fungierte der Zentralverband als Generalpächter und die Vereinsmitglieder als seine Unterpächter. 1987 wurde ein Gestaltungskonzept erstellt und weitergeleitet. Um die, für die Realisierung der Widmung unbedingt erforderlichen Infrastrukturen zu schaffen, beschloss der Gemeinderat am 28. Juni 1995 die Widmung „Erholungsgebiet-Kleingarten für ganzjähriges Wohnen (Eklw)“. So konnten 1996 und 1997 der Abwasserkanal und eine Gasleitung hergestellt werden. Schließlich wurde auch eine Wegbeleuchtung, angeschlossen an die Straßenbeleuchtung, installiert.

Kleingartensiedlung Mautner Markhof, Hopfengasse 63, Wien Floridsdorf

Widmung von Manfred I. Mautner Markhof an den „Kleingartenverein Mautner Markhof“

Marcus Mautner Markhof

Mautner Markhof AG – soziales Engagement

24. September 2000/in Allgemein /von Marcus Mautner Markhof

Die Mautner Markhof AG unterstützte heuer erstmals – auf Initiative von Leopold Frey (5.1.) – mit einem größeren Betrag die Friedensflotte 2000. Dieses Projekt ermöglichte 160 sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen aus Heimen, SOS-Kinderdörfern etc. eine gemeinsame Segeltour in der kroatischen Adria vom 16. bis 23. September 2000. Die Kinder kamen aus Österreich, aber auch aus Albanien, Serbien, Kroatien und Deutschland. Das Projekt wurde vom Verein “Mirno More“ veranstaltet und sollte diesen Kindern einen unbeschwerten Urlaub ermöglichen. Die Reise hatte aber auch das Ziel, dass Freundschaften über ethnische und soziale Grenzen hinweg geschlossen, Vorurteile überwunden werden und Toleranz geübt wird. Die Friedensflotte segelte heuer mit 25 Booten – bis zum Jahr 2010 sollen bereits 100 Segelschiffe unter dem Motto „Mirno More – friedliches Meer“ unterwegs sein. Schon traditionsgemäß unterstützt das Haus Mautner Markhof in Not geratene Kinder und hier insbesondere das SOS-Kinderdorf. Das Projekt ist eine schöne Gelegenheit, einen Beitrag zur Integration Europas seitens Mautner Markhofs zu liefern – nicht nur in wirtschaftlichen Belangen, sondern auch zu unseren sozialen Aktivitäten!

 

Verfasst von Marcus Mautner Markhof

Hanns Jäger-Sunstenau

Schauplatz Hoher Ritter-Orden

10. Mai 2000/in Allgemein /von Hanns Jäger-Sunstenau

Unveränderter Nachdruck mit sachlichen Erläuterungen. Ein ALMANACH samt KALENDER aus Augsburg 1756 mit 57 durchaus einmaligen, feinen Kupferstichen: 33 Ordensträger und 3 Damen in zeitgenössischer Tracht vor verschiedenem Hintergrund, getrennt die Ordensinsignien an sich samt Devisen und die Wappen der Ordensgroßmeister. Außerdem das Kalendarium von 1756 in interessanter Anordnung mit Tierkreis- und sonstigen Zeichen, dazu vielfache Erläuterungen und Register sowie ein netter Einband ergeben ein Bändchen von etwa 132 Seiten.

Es würde uns freuen, wenn die Familie recht viele Subskriptionen beim Verlag Degener & Co einreichen wollte.

 

Verfasst von Hanns Jäger-Sunstenau

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Aktuelle Einträge

  • 10.000 Stunden Mautner Markhof 23. Mai 2025
  • Die Weitergabe des Feuers 23. Mai 2025
  • Josef Azizi – Jurist und Philanthrop 23. Mai 2025
  • Susanne Engelhart-Spornberger – die Schauspielerin 21. Mai 2025
  • Das Reininghaus´sche Herrenhaus am Steinfeld 6. Mai 2025
  • Michel Engelhart – Architekt und künstlerisches Allroundgenie 3. Mai 2025
  • Emy Bertele v. Grenadenberg und Colin Everard 8. März 2025
  • Nachruf/Gedenken an Marcus Mautner Markhof 20. Januar 2025
  • Doris Engelhart – Sezessionisten Gattin, Künstlerin und Mutter 10. Januar 2025
  • Familie Mautner Markhof – Pioniere im österreichischen Golfsport 29. Juli 2024

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