Mautner Markhof und Wolfrum GesmbH

1839 pachtete Adolf lgnaz Mautner die Brauerei St. Marx und unternahm dort erste Versuche zur Erzeugung von industrieller Hefe. 1864 erfolgte die Gründung der Preßhefe-, Spiritus-Fabrik und Raffinerie in Floridsdorf bei Wien. 1865 kam es zum Ankauf der späteren „Mautner Markhof und Wolfrum-Gründe“ in Simmering. Bereits 1900 waren Betriebe in St. Marx, Floridsdorf, Simmering und Göding aktiv. 1925 erfolgte die Gründung der Vereinigten Mautner Markhof’schen Preßhefefabriken KG.

Das Familienunternehmen Wolfrum hat seinen Ursprung in Preßnitz nahe Dresden (ab 1876 Schönpriesen), wo 1847 das Unternehmen Eckelmann Spiritus-, Presshefe und Likörfabrik gegründet wurde. Ab 1869 expandierte Wilhelm Wolfrum den Betrieb gemeinsam mit Rudolf Eckelmann und 1895 entstand eine Familien-AG, welche 1906 unter der Leitung von Fritz Wolfrum, einem Enkel des Firmengründers,
in eine GmbH umgewandelt worden war. Schon 1903 hatte Fritz Wolfrum – vornehmlich mit Geldern seines Vaters, dem Großindustriellen und Präsidenten des Verwaltungsrates der Aussig-Teplitzer Eisenbahngesellschaft, Carl Friedrich – die Spiritus-, Presshefe- und Likörfabrik Aussig-Schönpriesen übernommen. Im Jahr 1911 war er für seine wirtschaftlichen Leistungen mit dem Komturkreuz des Franz-Josef-Ordens ausgezeichnet worden. 1912 übernahm er auch die Spiritus-, Presshefe- und Likörfabrik in Teplitz-Schönau. Im 1. Weltkrieg diente er als Reserveoffizier an der Front und wurde mit dem Militärverdienstkreuz mit Schwertern, dem Signum Laudis in Silber und Bronze und dem Karl Truppenkreuz ausgezeichnet. Die Spiritus- und Presshefefabrik in Wien-Stadlau war im Jahre 1911 von Geza Schönberg gegründet und 1912 unter dem Namen „Preßhefe-, Spiritus- und Malzfabrik, Besitzer Geza Schönberg, Wien 21, Stadlauerstraße 64“, im Bezirksgericht Floridsdorf eingetragen worden. Mit Stichtag 1.7.1918 ging auch dieses Unternehmen an Fritz Wolfrum über, welcher den Standort zu einer modernen Fabrik ausbaute. Auch hier wurde die berühmte Spezialität „Ein Klostergeheimnis“ produziert. Ab 7.1.1919 wurde die Firma als Aktiengesellschaft geführt und im Mai 1939 in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. 1945, aufgrund des mitteleuropäischen Zusammenbruchs, gingen der Familie Wolfrum nicht nur die Unternehmungen in Aussig-Schönpriesen, Teplitz und Großpriesen an der Elbe (die Aktienmajorität war 1925 erworben worden) endgültig verloren, auch das Unternehmen in Wien Stadlau fiel an die russische Besatzungsmacht und wurde zu einem USIA-Betrieb. 1955, im Zuge des Staatsvertrages, wurde das Unternehmen dem österreichischen Staat übertragen und das Finanzministerium setzte Otto Carl Wolfrum als kommissarischen Verwalter für die Familie ein. Otto Carl hatte seit 1929 die Geschäfte geführt und 2 % vom Hefebetrieb geerbt, wohingegen sein Sohn Otto Wilhelm Wolfrum (*21.11.1935) im Jahr 1949 von seinem Großvater als Universalerbe eingesetzt worden war. Auch Mautner Markhof zeigte bereits 1955 Interesse am Unternehmen, doch die Republik war bestrebt es den ursprünglichen Eigentümern rückzuführen. So ging die Stadlauer Presshefe-, Spiritus- und Malzfabrik am 1.1.1956 wieder in den Besitz der Familie Wolfrum über, die sie der Republik um 1 Million USD (als zinsenfreies Darlehen gewährt) ablösen musste. Dieser Kredit konnte innerhalb von zehn Jahren zurückgezahlt werden.

So blieben Mautner Markhof (mit den Produktionsstätten Floridsdorf und Simmering) und Wolfrum (Stadlau) bis zum 31. August 1970 Konkurrenten. Beide erzeugten jeweils Hefe, Alkohol und Spirituosen. Mautner Markhof, am Hefesektor die unangefochtene Nummer 1 in Österreich, verdiente aufgrund modernster Ausstattung und Technologien mehr am Kilo Hefe als Wolfrum. Die Alkoholproduktion war durch eine staatliche Quote geregelt, wobei Mautner Markhof mit 17 % die Nummer 2 und Wolfrum mit 8 % die Nummer 6 war.

Am 1. September 1970 fusionierten die Vereinigten Mautner Markhof’schen Preßhefefabriken mit den Spiritus-, Preßhefe- und Likörfabriken Wolfrum zur Vereinigte Hefefabriken Mautner Markhof & Wolfrum KG. Die Betriebsstätten wurden in Wien-Simmering zusammengelegt, am Sektor Hefe war man weiterhin die Nummer 1 sowie am Alkohol Sektor die Nummer 2, dies jedoch mit nun viel geringerem Abstand zur Spitze. 1976 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und 1978 in eine GesmbH.

1979 wurde die Mautner Markhof Nahrungs- und Genussmittel Beteiligungsgesellschaft Aktiengesellschaft als Holding für die Vereinigten Hefefabriken und die TH & G Mautner Markhof gebildet. Alle Aktionäre beider Unternehmen brachten ihre Anteile dort ein, wobei jedoch die Unternehmen selbst weiterhin als eigene Rechtskörper bestehen blieben. Der Aktionärskreis Wolfrum (20 %) war durch Otto Wilhelm Wolfrum in der Geschäftsleitung vertreten, welcher ad personam auch Vorstandsmitglied, Aufsichtsratsvorsitzender und Stammaktionär war.

1983, nach der Übernahme der Firma JUrany & WOlfrum GesmbH (seit 1904 führend und konkurrenzlos am Sektor milchwirtschaftlicher Geräte), wurde das Unternehmen 1984 schließlich in Mautner Markhof und Wolfrum Gesellschaft m. b. H. umbenannt. Mit der Fortführung der Marke JUWO als eigene Abteilung, belieferte man mit einem erstklassigen Maschinen-Handelsprogramm die österreichische Milchwirtschaft, die gesamte Nahrungsmittelindustrie, die chemische und pharmazeutische Industrie sowie Bäckereien. Teils wurden die Maschinen und Geräte selbst erzeugt, zum Teil wurden sie als Handelsware geführt.

Das „Hefe Groupement“ war 1945 von Georg III. Buwa, sofort nach dem Krieg, als Dachorganisation der größten Hefeproduzenten jeden Landes, gegründet worden und konnte bis zum EU-Beitritt bestehen. Ab 1983 war Otto Wilhelm Wolfrum Generalsekretär dieser Organisation, und da er als Exportverantwortlicher der GesmbH auch beste Kontakte nach Ungarn hatte, war er es, der die Geschäftsanbahnung zu Buszesz vorantrieb.

1991/1992 erfolgte dann die Übernahme von Buszesz R. T. (AG) in Budapest, dem Monopolhalter für Hefe und Essig in Ungarn. Buszesz war ein Spiegelbild der Simmeringer Betriebe, jedoch mit 33.000 Tonnen Hefe/Jahr im Vergleich zu Simmering 18.000 Tonnen Hefe/Jahr weitaus produktiver. Ebenso war die Essigproduktion am modernsten Stand. Mit Buszesz wollte man den osteuropäischen Markt aufrollen.

Da sich mit dem Eintritt Österreichs in die EU 1995 die Marktlage entscheidend verändert hatte, und auch Lesaffre, der Welt größte Hefeproduzent, plötzlich direkt nach Österreich liefern konnte, begann Georg IV. J. E. im Jahr 2000 Verkaufsgespräche zu führen. In weitere Folge wurden 2002 alle Hefeaktivitäten von Mautner Markhof, Wolfrum und Buszesz an den französischen Familienbetrieb verkauft.

Die hefeerzeugenden Unternehmen Österreichs

  • Mautner Markhof und Wolfrum Gesmbh
  • Ottakringer Brauerei Harmer AG
  • Josef Kirchmeir & Sohn
  • Brüder Reininghaus

waren in einem offiziell genehmigten Quotenkartell zusammengefasst, das eine lückenlose Zustellung der Hefe zu jedem Bäcker in Österreich ermöglichte. Der Preis – von der Paritätischen Kommission genehmigt – konnte infolge der Ausschaltung des Zwischenhandels bzw. teurer Werbemaßnahmen niedrig gehalten werden.

Die Mautner Markhof und Wolfrum Gesmbh produzierte Hefe, Spiritus sowie Back- und Konditoreimittel und beschäftigte mit Stand 1.1.1987 zweihundertachtundsiebzig Mitarbeiter. Sie verfügte über ein weitverzweigtes, engmaschiges Frischdienst-Zustellsystem, das sich lückenlos über ganz Österreich erstreckte. Jeder Bäcker, Konditor, Gastronomiebetrieb etc. wurde ein- bis zweimal pro Woche nach einem minuziös ausgeklügelten Tourenplan mit frischesten Waren aus dem Hefe- und Backmittelsortiment beliefert. Viele Produkte, wie z. B. Nährhefe, Aktivtrockenhefe, Back- und Konditoreimittel wurden auch nach Deutschland, die Schweiz, England, die USA, Afrika und nach Fernost exportiert. Eine Musterbäckerei und -konditorei mit allen Ausrüstungen und Arbeitsbedingungen, wie sie in modernen österreichischen Betrieben vorzufinden waren, wurde Anfang 1984 eröffnet. Sie war für die Abhaltung von Backvorführungen, Schulungen und Seminaren sowie zur Qualitätsüberprüfung für Erzeugung und Produktentwicklung bestimmt. Mit ÖBASYST sponserte und entwickelte man gemeinsam mit der Bundesinnung der Bäcker erstmals ein umfassendes Programmpaket, das eine integrierte Lösung für die gesamte innerbetriebliche Organisation von Bäckereien darstellte. Es umfasste standardisierte Software-Programme für Bestellwesen, Lieferscheine, Rechnungen, Materialwirtschaft, Zeiten- und Materialkontrolle, Fahrer- und Filialabrechnung, Statistiken, Kalkulationen, Finanzbuchhaltung und Chefinformation.

Backmittel

Produkte, die zur Erzielung einer bestimmten backtechnischen Wirkung, zur Verbesserung der Qualität von Backwaren zum Ausgleich von den Rohstoffschwankungen (z. B. Mehl) und zur Arbeitserleichterung eingesetzt werden. Es existieren drei Hauptgruppen:

  • Backmittel für Weizenklein- und Feingebäck (z. B. Semmeln)
  • Brotbackmittel für sämtliche Brotsorten von hellen Weizenbroten (z. B. Weißbrot, Toastbrot) über Mischbrote bis zu dunklen Roggen- und Schrotbroten
  • sogenannte Brotvormischungen.

Die Mautner Markhof und Wolfrum Gesmbh gehörte zu Österreichs führenden Backmittelproduzenten für Weiterverarbeitung. Sie führte derartige Vormischungen unter den Markennamen Waldbauer, Sofit-Krustenkornbrot, Sofit-Landkornbrot und Jogging-Brot in ihrem Verkaufsprogramm.

Semmelbackmittel

Spezielle Gruppe von Backmitteln für Weizenkleingebäck, die zur Verbesserung von Hefetrieb, Wasserbindung, Maschinengängigkeit, Stabilität des Klebergerüstes, Gebäckvolumen, Ausbund (Aussehen), Bräunung und Rösche der Kruste dienen. Alle Arten von Semmelbackmittel wurden von der Mautner Markhof und Wolfrum Gesmbh erzeugt und vertrieben:

  • Emulgatorbackmittel“ für vor allem industrielle Produktion (,,Semmelstraßen“)
  • „Malz-Lecithin-Backmittel“ für beste geschmackliche Qualität (ermöglichen aber nicht die hohen Gebäckausbeuten (Volumina) und Verarbeitungstoleranzen wie die Emulgatorbackmittel)
  • „Mischbackmittel“ (Kombination der oben genannten Arten) decken ein breites Einsatzgebiet ab, da sie die Vorzüge in hervorragender Weise in sich vereinigen.

Teigsäuerungsmittel

Spezielle Brotbackmittel, die zur Herstellung von Roggen-, Roggenmisch-, Weizenmisch- und Schrotbroten in direkter Teigführung, d. h. ohne Verwendung von Sauerteig, bestimmt sind. Sie werden nur an Bäcker geliefert und dienen zur richtigen Steuerung der natürlichen Enzymaktivität der Mehle zur Erzielung eines sowohl ausreichenden Stärkeaufschlusses als auch einer optimalen Stabilität beim Backvorgang. Das Sortiment der Mautner Markhof und Wolfrum Gesmbh umfasste die Marken Sauermild, MM-Sauer Hell, MM-Sauer Dunkel, Panirol, Paniquell.

Konditoreimittel

Grundstoffe, Hilfsmittel, Vorprodukte und Dekormittel für alle Arten von Konditoreierzeugnissen, zur Arbeitserleichterung und Verbesserung sämtlicher Qualitätskriterien, wie Geschmack, Optik, Frischhaltung usw.
Die Mautner Markhof und Wolfrum Gesmbh führte in ihrem Sortiment u. a. Füllmassen für Fein- und Konditorbackwaren, Cremepulver für diverse Anwendungsgebiete, Aufschlagmittel für Biskuitwaren, Frischhaltemittel, Bindemittel und Stabilisatoren, Aromen, Topfen- und Joghurtprodukte, Tortengelees, Glasurmassen, Dekorprodukte, Backpulver, Vanillinzucker.

Tortengelees

Mittel zur Herstellung von Geleeüberzügen auf Fruchttorten, Fruchtschnitten u. dgl. sowie zum Abglänzen von Fein- und Konditorbackwaren, wie Plunder- und Blätterteiggebäcken, Strudeln usw. Sie sind ausschließlich für Bäcker und Konditoren bestimmt und entweder als Vorratsgelees oder Tortengusspulver zum Aufkochen mit Wasser oder als fertige Geleelösung (Kaltgelee), die mit Zitronensäure zum Gelieren gebracht wird, erhältlich. Die Mautner Markhof und Wolfrum Gesmbh führte im Sortiment Cupido-Gel (Erdbeer, Marille, Universal, Heidelbeer), Kaltgelee und Tortenguss.

Melasse

Melasse ist ein zuckerhaltiger, zähflüssiger Restsirup der Zuckerfabrikation. Je nach der eingesetzten Zuckerpflanze unterscheidet man Rübenzucker- und Rohrzuckermelasse. Sie dient als Rohstoff für die Fabrikation von Hefe und von Melasse-Alkohol und wird auch als Futtermittel verwendet.
 Zur Hefefabrikation muss die Melasse in einem aufwendigen Verfahren verdünnt, geklärt und sterilisiert werden, da sie neben wertvollen Bestandteilen (Zucker, Aminosäure, Vitamine, Spurenelemente) auch schädliche Stoffe (Trübstoffe, Farbstoffe, schädliche Säuren, Bakterien usw.) enthält. Die Mautner Markhof und Wolfrum Gesmbh entwickelte Melasse-Aufbereitungsverfahren, welche insbesondere die Verwendung der schwer zu verarbeitenden Quentin-Melasse gestatteten.

Trockenhefe

Man unterscheidet aktive und inaktive getrocknete Hefen mit einem Trockensubstanzgehalt von 90 bis 97 Prozent.

  • Die Aktiv-Trockenhefe ist eine aktive (gärfähige) Trockenbackhefe, welche anstelle von Frischhefe verwendet werden kann. Sie ist teurer als Frischhefe, jedoch in spezieller Verpackung ca. 1 Jahr lang haltbar. Die „klassische Aktivtrockenhefe“ muss vor Zugabe zum Mehl einige Zeit in warmer Zuckerlösung regeneriert werden und zeigt gegenüber der Frischhefe gewisse Nachteile. Die moderne „Instant-Trockenhefe“ kann direkt dem Mehl oder Teig zugesetzt werden und weist die Qualität von Frischhefe auf.
  • Inaktive Trockenhefen sind getrocknete Hefen verschiedener Art, welche keine Triebkraft mehr aufweisen und aufgrund ihres wertvollen Protein- und Vitamingehaltes als Nahrungsmittel verwendet werden, wie zum Beispiel die von der Mautner Markhof und Wolfrum erzeugte „Melasse-Nährhefe“ in Pulver- oder Flockenform.

Kleinpackhefe

Von Mautner Markhof im Jahr 1965 In Österreich eingeführt, handelt es sich um frische Backhefe, die in Würfeln zu 42 Gramm verpackt und für den Küchenbedarf der Hausfrau bestimmt ist.
 Ohne ihre Triebkraft zu verlieren, kann sie im Tiefkühlfach bis zu 6 Monate lang aufbewahrt werden.

Pfundhefe

Frischhefe, zu einem halben Kilo verpackt, die primär an die Bäcker geliefert wird. Die Pfundverpackung von Backhefe entspricht bei der Teigzugabe mengen- und gewichtsmäßig optimal den Anforderungen der Bäcker und wird weltweit angewandt.

Sackhefe

Hefe, die 30•kg-Plastiksäckchen lose abgefüllt und an Großverbraucher geliefert wird.