Peter I.

Peter von Reininghaus / 27.10.1896 – 21.1.1973

Als Enkel von Johann Peter und Therese von Reininghaus und Sohn von Johann Dietrich „Hans“ von Reininghaus und Virginia „Gina“ Agujari (der späteren der Gina Conrad von Hötzendorf, wurde er in Steinfeld bei Graz geboren. Seine Reifeprüfung legte er an der Theresianischen Akademie im Jahr 1914, fünf Wochen vor Ausbruch des 1. Weltkrieges ab und meldete sich danach freiwillig an die italienische Front. Als ausgezeichneter Leutnant im Jänner 1918 heimgekehrt, inskribierte er noch im selben Jahr Physik, Chemie und Philosophie an der Philosophischen Fakultät in Graz. Nachdem seine Dissertation über „Das elektromotorische Verhalten der Legierungen von Natrium mit einigen anderen Metallen“ approbiert worden war, promovierte er bereits im Mai 1920 und heiratete im Oktober Anna „Nini“ Gräfin von Widmann-Sedlnitzky, mit der er die Kinder Anton „Tono“, Peter und Theresia „Mädi“ (verehelichte Freifrau von Löwenthal-Maroicic) bekam.

Ebenfalls im Herbst 1920 trat Peter Reininghaus als Prokurist in die Brüder Reininghaus-AG ein. Mit schier unerschöpflicher Energie übernahm er die Verantwortung für das nach dem Krieg sehr schwierige Erbe. Ab 1924 gehörte er dem Verwaltungsrat an, den er ab 1937 als Geschäftsführender Präsident leitete. Er war es, der das Unternehmen aus den Schwierigkeiten der Nachkriegszeit, mit ihrem Verlust des großen Wirtschaftsgebietes der Donaumonarchie, führte. 1927 trat er in den steirischen Sektionsausschuss des Hauptverbandes der Industrie ein und wurde 1935 Obmann des Landesverbandes Steiermark. 1934 übernahm er als Abgeordneter zum Steiermärkischen Landtag ein politisches Mandat. 1936 berief man ihn in den Generalrat der Österreichischen Nationalbank. Mitte der dreißiger Jahre gelang ihm auch, was sich als Mittelpunkt seines Lebenswerkes herausstellen sollte, der Brückenschlag zur zweitgrößten Brauerei des Landes, der Gösser Brauerei AG. Damit legte er den Grundstein für die „Steirische Brauindustrie“.

Unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich wurde er fristlos entlassen und aller öffentlichen Mandate enthoben, am 13. März 1938 verhaftet und erst zwölf Tage später wieder auf freien Fuß gesetzt. Ohne weiteres Verfahren wurde er des Landes verwiesen. Über Baden/Wien, Brüssel und Lausanne emigrierte er schließlich mit seiner zweiten Frau Nora Ebner v. Ebenthal und seinem jüngsten Sohn Peter, der damals 14 Jahre war, nach Triest und Abbazia. Mittellos, da ihn der Erwerb der Ausreisepapiere alles gekostet hatte. In der Zeit des Exils lernte er autodidaktisch Italienisch und Englisch, Goethes Faust auswendig und beschäftigte sich mit den Werken deutscher und französischer Philosophen. Unmittelbar nach dem 20. Juli 1944 erhielt er eine Vorladung von der Gestapo, wurde aber gewarnt, sodass er untertauchen und das Ende des Krieges auf Dachböden und in Kellern versteckt, abwarten konnte. Als er 1945 zum ersten Mal nach sieben Jahre heimkehrte, ließ ihn das materielle und menschliche Trümmerfeld, das der Krieg hinterlassen hatte, zunächst in Resignation verfallen. Erst nach langem Zögern ging er wieder an die Arbeit und begann mit dem Wiederaufbau des Unternehmens, das nun den Namen „Grazer Brauerei Aktiengesellschaft Puntigam-Reininghaus“ trug (die Folge einer zwangsweisen Fusion beider Grazer Brauereien 1944). Große Teile Graz´ waren nur noch Ruinen, Hunger und Elend bestimmten den Alltag und Steinfeld war durch Luftangriffe „niedergepflügt“. Daher wurde im Jahr 1947 die gesamte Bierproduktion nach Puntigam verlegt, was eine rationelle Betriebsführung ermöglichte. Er kümmerte sich um die Reaktivierung der Produktion der Betriebsstätten und die Geschäftsführung der Reininghaus und Puntigam umfassenden Brüder Reininghaus Brauerei-AG, der Brauerei Göß, deren Aufsichtsratsvorsitzender er 1951 wurde, und der Villacher Brauerei.

1950 gründete Peter Reininghaus den Verband selbständig Wirtschaftstreibender als Forum freier Willensbildung und ebenso freier Kritik… als Bollwerk bürgerlicher Gesinnung. Er war Gründungsmitglied der „Neuen Österreichischen Gesellschaft“ an deren Spitze Landeshauptmann Josef Krainer stand und die für ein föderales Österreich gegen die hypertrophe Wiener Befehlsgebung, gegen das System österreichischer Beziehungstechnik… und den Dunst des Proporzes auftrat. In seinem Haus auf dem Steinfeld führte er einen Salon für Politiker und politisch Interessierte, nicht aber für Parteipolitik. Überdies war er ein großer Förderer des steirischen Hopfens. Auf seine Initiative hin wurden 1953 im Raum Leutschach Bauern gewonnen, um mit dem Hopfenanbau – und somit mit der Verwurzelung der Steirischen Brauindustrie in der Heimaterde – zu beginnen. Er schaltete sich in die Reorganisation des Braukartellverbandes ein und koordinierte ab 1957 mit Hilfe der von ihm geschaffenen „Alpenländischen Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaftspolitik“ die in der Steiermark und Kärnten bestehenden Brauereien. International organisierte er die Gründung der „Kammer zur Förderung des Verkehrs zwischen Österreich und Triest“, wofür ihn später der italienische Staat mit den Insignien und dem Titel eines Commendatore auszeichnete.

Seine Talente ließen sich gleichermaßen auf den kaufmännisch nüchternen Sinn der Väter und das intuitive und instinktiv-geniale Handeln seiner hochbegabten und künstlerisch veranlagten italienischen Mutter (abstammend von den alten venezianischen Familien Marchese Tassoni und Nobile di Tretti) zurückführen. „Der Präsident“ war ein überaus musischer und entsprechend empfindsam und empfindlicher Mensch mit einem stark ausgeprägten Sinn für Form und Takt. Er war ein brillanter Pianist, und wenn er Hausmusikabende mit Instrumentalkünstlern und Sängern der Grazer Oper gab, begleitete er hervorragend am Klavier. Sein mündlicher und schriftlicher Stil spiegelte die Freude wider, Sprache zu beherrschen. Von 1954 bis zu seinem Tod war er im Vorstand des Musikvereins Steiermark, Kuratoriumsmitglied des Joanneum und war auch zu materiellen Opfern bereit um das Grazer Schauspielhaus zu retten. Dies auch im Gedenken an das tiefe Freundschaftsverhältnis, das seine Großeltern zum steirischen Dichter Peter Rosegger pflegten.

Mit den Jahren wurden ihm der Zeitgeist und das politische Maskenspiel zunehmend fremd. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt, im Dezember 1972 in der steirischen Handelskammer, setzte er sich in einem leidenschaftlichen Appell gegen die immer fühlbarer werdenden Tendenzen des Gleichmachens und Einebnens ein und rief dazu auf sich aktiv dagegenzustellen. Seine äußere Todesursache war Herzversagen, die innere das Verlöschen des einst stark ausgeprägten Lebenswillen. So starb er an einem Sonntagvormittag, wie alle großen Österreicher als Pessimist, als ein Mann, den seine letzte Erfüllung versagt bleibt, wie es in einem Nachruf hieß. Mit Dr. Peter Reininghaus ging ein engagierter Vollblutunternehmer und Österreicher aus ganzem Herzen, und mit seinem Ableben setzten sich jene Tendenzen des Gleichmachens und Einebnens weiter fort, gegen die er sich immer gewehrt hatte.