Brauerei Schwechat

Die Gründung der Brauerei erfolgte im Jahr 1632 unter dem Namen Brauerei Klein-Schwechat auf dem Frauenfeld (Brauhausstraße 6) durch Peter Descrolier, einen ehemaligen Camerdiener und Camerzahlmeister des Habsburger Erzherzogs Matthias.

Danach folgten weitere Besitzer:

ab 1634 Matthias und Anna Susanna Katherina Descrolier

ab 1644  Konrad Krafft

ab 1653 Sophia Krafft und Georg Puechner

ab 1666 Dr. Georg Fockhy (Verwandter von Daniel Fockhy/Bürgermeister von Wien)

ab 1668 Baron Don Juan de Areyzaga (ehem. Kommandant Cürassier-Regiment Des Fours)

ab 1676 Baron Johann Jakob de Areyzaga

ab 1685 Matthias Ignatius Nipho (Reichshofratsagent zu Wien, bis 1694 Besitzer des Grundstückes, auf dem heute der Esterházypark liegt)

ab 1690 Raimund Sebastian Zaglauer von Zahlheim (Vater von Johann Adam von Zahlheim, Bürgermeister von Wien)

ab 1730 Ernst und Franz-Josef Zaglauer von Zahlheim

ab 1763 Heinrich Kajetan Graf von Blümegen (Kanzler des Herzogtums Österreich,Gutsherr von Erlaa)

ab 1789 Franz Heinrich Graf von Blümegen (bewohnte wie sein Vater Heinrich Kajetan das Schloss Altkettenhof in Schwechat; nach ihm wurde die Blümelgasse in Wien benannt, die später in der Kochgasse im 8. Bezirk aufging)

1796 wurde die Brauerei von Franz Anton Dreher übernommen, der 1760 mit dem großen Schwabenzug nach Wien gekommen war. Er arbeitete zunächst als Bierkellner, ab 1773 in einer kleinen Brauerei in Oberlanzendorf und ab 1782 im Brauhaus „Im unteren Wird“/Wien Leopoldstadt. 1804 heiratet er 69-jährig in zweiter Ehe Katharina Widter, eine 18-jährige Braumeisterstochter aus Simmering, die ihm vier Kinder gebar. 1820 starb Franz Anton, die Brauerei ging zunächst an seine Frau und

ab 1839 an seinen Sohn Anton Dreher (senior) über, der 1841 das untergärige Lagerbier erfand, für dessen Herstellung er riesige Eiskeller anlegte. 1848 setzte er als erster Bierbrauer eine Dampfmaschine ein, die bis heute im Technischen Museum Wien zu bewundern ist. Unter seiner Führung entwickelte sich die Brauerei zur weltweit größten Braustätte.

ab 1863 wurde das Unternehmen nach dem plötzlichen Tod von Anton Dreher auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin von den drei Direktoren Franz Aich (kaufmännischer Leiter), August Deiglmayr (Braugeschäft) und Cajetan Felder (der noch knapp vor Antons Tod zum Nachlassverwalter und Vormund für seinen zu diesem Zeitpunkt 14-jährigen Sohn eingesetzt worden war) geführt. Obwohl es zwischen den drei Herren nicht immer nur Einstimmigkeit gab, erlebte die Brauerei abermals einen enormen Aufschwung. Ab 1865, nach der Übernahme zweier weiterer Schwechater Brauereien, firmierte man unter dem Namen Brauerei Groß- und Klein-Schwechat und eröffnete 1869 eine weitere Dreher Brauerei in Triest. Diese wurde 1928 verkauft und 1976 geschlossen, wobei der bestens eingeführte Markenname Dreher bis heute auf dem Markt bestehen konnte und dem Heineken-Konzern gehört.

1870 wurde Carl Anton Maria Dreher am 21. März großjährig und übernahm ab diesem Tag selbst die Führung. Er heiratete die Simmeringer Brauherrentochter Katharina Meichl und erwarb 1872 Schloss Altkettenhof. Als 1898 auch noch die Export-Brauerei Anton Dreher in Saaz gegründet (geschlossen 1948) wurde, bildeten die Dreher Brauereien den weltweit größten Braukonzern eines Einzelunternehmers.

1905 traten seine Söhne Anton Eugen, Eugen und Theodor offiziell als Gesamtprokuristen in das Unternehmen – bestehend aus den Brauereien Schwechat/Wien, Triest/Italien, Michelob/Böhmen und Steinbruch/Budapest – ein. Ohne Mitwirkung einer Bank wurde es in die Anton Drehers Brauerei AG überführt und besaß ein Aktienkapital von 28 Millionen Kronen (rund 140.000.000 Mio. EUR), das auf 560 Namensaktien zu je 50.000 Kronen aufgeteilt war. Sie war somit eine der größten Aktiengesellschaften Europas. Aktionäre waren ausschließlich Familienangehörige, wobei Anton Dreher junior als Präsident der Gesellschaft 91 % der Stimmrechte besaß. Zum Vizepräsidenten ernannte er seinen jüngsten Sohn Eugen.

1913 – die legendäre Fusion mit der Ad. Ign. Mautner Ritter von Markhof & Sohn Brauerei St. Marx AG

Im Jahr 1913 erfolgte die legendäre Fusion mit der Ad. Ign. Mautner Ritter von Markhof & Sohn, Brauerei St. Marx AG, und der Brauerei Simmering Th. & G. Meichl AG, die zur Gründung der Vereinigten Brauereien Schwechat, St. Marx, Simmering – Dreher, Mautner, Meichl Aktiengesellschaft führte. So konnte man einerseits frisches Kapital für Investitionen erhalten und andererseits die Beteiligung der Familienmitglieder am Unternehmen erleichtern. St. Marx wurde bis dahin von Victor Mautner Markhof, und Simmering von Drehers Schwager Georg II. Meichl geleitet. Das Verhältnis im Verwaltungsrat wurde zwischen den drei Herren mit 6:4:2 festgelegt (Dreher rund 60 %, Mautner Markhof rund 30 %, Meichl rund 10 %). Anton wurde Präsident, Victor (nach seinem Tod Kuno) und Georg Vizepräsidenten.

Diese Aktiengesellschaft gehörte nun zu den größten der Monarchie und die Umwandlungen wurden von drei österreichischen Großbanken, der Creditanstalt, dem Bankverein und der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft gemanagt. Das Kapital betrug 36 Millionen Kronen, die Aktien wurden nicht an der Börse gehandelt, der Sitz der Aktiengesellschaft wurde von Schwechat nach Wien in den Dreher-Hof auf der Landstraßer Hauptstraße 97 verlegt. Die 180.000 Namensaktien zu 200 Kronen blieben bis zum Tod Antons zwar weitgehend im Besitz der Mitglieder der drei Familien, kleine Anteil mussten aber an das Bankenkonsortium abgetreten werden. Victor Mautner Markhof erhielt Aktien im Wert von zehn Millionen Kronen, Georg Meichl im Wert von fünf Millionen Kronen. Je eine Million Kronen und ein Verwaltungsratsmandat lukrierten die Creditanstalt, der Wiener Bankverein und die Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft. Auch gehörten dem ersten Verwaltungsrat der Vereinigten Brauereien bereits drei Bankdirektoren an: Kux von der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft, Popper Artberg vom Bankverein und Hammerschlag von der Creditanstalt. Dies war bei großen Aktiengesellschaften üblich, um die Verbindung mit führenden Bankinstituten zu dokumentieren. Somit waren die reinen Familienunternehmen Vergangenheit. In der Monarchie betrug der Marktanteil der Vereinigten Brauerei mit rund 3000 Beschäftigten 35 %. Bis auf Ottakring, Liesing und dem städtischen Brauhaus fielen ihrem aggressiven Verdrängungswettbewerb der folgenden Jahre alle anderen Wiener Brauereien zum Opfer.

Die Ereignisse des Ersten Weltkrieges, die unter anderem zur Folge hatten, dass überhaupt keine Gerste zur Verfügung stand, trafen die Brauindustrie auf das Allerschwerste. Auch befand sich Schwechat kriegsbedingt durch den Verlust der Kupfergerätschaften in einem technisch veralteten und schlechten Zustand. So betrug die Produktion der Vereinigten Brauereien 1916/17 sage und schreibe nur mehr 94.000 Hektoliter. Vergleich Brauperiode 1911/12 Schwechat 470.000 Hektoliter, St. Marx 480.000 Hektoliter.  Erst 1923 gelang es die rohstoffbedingten Beschränkungen der Nachkriegszeit zu überwinden und erstmals wieder ein „Friedensbier“ zu brauen.

Anstatt zu renovieren, versuchte Alfons Erhard – der zwar ab 1887 die Schwechater Brauerei sehr verdienstvoll geleitet hatte, jedoch mit den veränderten Bedingungen nicht mehr zurechtgekommen war – durch einen niedrigen Einkaufspreis möglichst viele Wirte in den Bundesländern zum Bezug seines Bieres zu überreden. Als Gegenleistung bot er ihnen die Umschuldung ihrer hohen Bankverbindlichkeiten an und gab ihnen Darlehen, die auch vom Beteiligungskonsortium ohne viel nachzufragen gewährt wurden. Alsbald jedoch stellte sich diese Expansion in die Bundesländer auch aufgrund der teuren Transportkosten als weitgehend unrationell und unlukrativ heraus. Zwar führte diese Politik zwischen 1924 und 1926 zu einem neuen Produktionsrekord von mehr als einer Million Hektoliter, doch stieg der Schuldenstand gleichzeitig enorm an: von 12 auf 33 Millionen Schilling, dem nur teils zweifelhafte Forderungen von 27 Millionen Schilling an besagte Wirte gegenüberstanden (ein Schilling dieser Zeit entspricht heutigen 3,7 Euro). Der finanzielle Kollaps drohte und es konnte kein Gewinn erzielt und keine Dividende ausbezahlt werden. So hatte Erhard in jener Periode einen beträchtlichen Anteil am Niedergang der Vereinigten Brauereien.

1926 – das Ende der Ära Dreher

Solange Anton Dreher d. J. lebte und Präsident der Vereinigten Brauereien war, hatte das Bankenkonsortium nur einen geringen Einfluss auf die Geschäfte. Als er 1921 starb und Bernhard Popper Artberg, Generaldirektor des Bankvereins, die Präsidentenstelle für sich beanspruchen wollte, waren die Brauherrenfamilien noch stark genug, um sich auf Anton Eugen einigen zu können, der zwar ohne großen Einfluss, jedoch mit einer starken Aktienmehrheit und seinem Generaldirektor Alfons Erhard agierte.

Grundlegend veränderten sich die Verhältnisse 1925, als Anton III. starb und das Ende der Familie Dreher in der Brauerei Schwechat alsbald folgen sollte. Bereits im April 1914 war Theodor bei einem Autounfall ums Leben gekommen und 1917 der Sohn Anton Eugens, Anton IV., im Ersten Weltkrieg gefallen. Schließlich verstarb 1926 mit Oskar, dem 11-jährigen Sohn Theodors, der letzte männliche Vertreter der Wiener Linie. Logischer Nachfolger als Präsident wäre Eugen Dreher gewesen, doch waren ihm die zunehmenden wirtschaftlichen Probleme bewusst und er hatte neben seinen ungarischen Unternehmen keine Lust auf eine weitere Belastung. Bernhard Popper Artberg erkannte seine Chance und machte ihm ein Angebot, das Eugen viel Kapital für den Ausbau seines ungarischen Industrieimperiums verschaffte, obwohl es im Grunde schlecht war. So wanderten, jeweils zu einem Kurs von 66 Schilling (ca. 244 Euro), seine 70.000 Aktien an das Bankenkonsortium (Niederösterreichische Escomptegesellschaft, Bankverein, Creditanstalt und Bodencreditanstalt), mit einer weiteren Option auf die restlichen 40.000 Aktien aus der Verlassenschaft von Anton III.. Damit betrug der theoretische Aktienwert des 60 %igen Anteils der Familie Dreher nur mehr 7,2 Millionen Schilling (ca. 26,6 Millionen Euro). 1913 waren es noch 22 Millionen Kronen (ca. 81,4 Millionen Euro) gewesen, wobei die Krone dieses Jahres rund 30 % mehr Kaufkraftwert als der Schilling des Jahres 1926 besaß. Aus Eugens Sicht hatte er ein sinkendes Schiff verlassen, das er gerade noch lukrativ verkaufen konnte. Definitiv endete die 130-jährige Verbindung der österreichischen Familie Dreher mit der Schwechater Brauerei, als 1926 auch noch Alfons Erhard, der langjährige Generaldirektor und letzte Hüter der „Dreher Tradition“, an einem Gehirnschlag verstarb.

Im Schicksalsjahr 1926 starb auch Victor Mautner Markhofs Witwe, Helene. Entgegen seiner Empfehlung an Dreher zu verkaufen, hatte sie jedoch dessen 30 %igen Aktienanteil behalten, was sehr klug gewesen war, da das Geld, das sie für den Verkauf erhalten hätte, durch die beginnende Inflation rasch entwertet worden wäre. So erbten nach ihrem Tod die vier überlebenden Schwestern Victors dieses große Aktienpaket, das diese nicht behalten, sondern nur rasch veräußern wollten. Weder die Floridsdorfer Verwandtschaft noch die Familie Meichl besaßen das nötige Geld für diesen Aktienkauf, sie hatten auch kaum Interesse daran. Georg II. Anton und Theodor I., die das Sagen hatten, reorganisierten gerade ihr Unternehmen, das neben Bier in ihrer St. Georgs Brauerei zunehmend auch Fruchtsäfte, Senf, Essig und Spirituosen erzeugte. Wieder wurde Bernhard Popper Artberg aktiv und es gelang ihm auch die Aktien aus Victors Erbe zu einem „schandbar niedrigen“ Kurs zu erwerben (im Jahre 1935 besaß nur noch die Witwe Kunos ein ganz kleines Aktienpaket). So hatte das Bankenkonsortium in kurzer Zeit um relativ wenig Geld die Aktienmehrheit an der Vereinigten Brauereien AG erobert.

Das Aktienkapital der Vereinigten Brauereien, das aufgrund des Goldbilanzengesetzes nun 9 Millionen Schilling (ca. 33,3 Millionen Euro) betrug, stieg durch eine Kapitalerhöhung auf 15 Millionen (ca. 55,5 Millionen Euro). Es wurde auf 300.000 Stück á 50 Schilling aufgeteilt. Noch einmal konnten sich die Brauherrenfamilien gegen die totale Übernahme der Führung im Verwaltungsrat durch die Banken, die bereits Mehrheitsaktionäre waren, wehren. Es wurde kein Präsident gewählt, Kuno Mautner Markhof und Georg III. Meichl führten die Gesellschaft als Vizepräsidenten, wobei Kuno kurzfristig auch als Generaldirektor tätig war. Sofort begann man mit Rationalisierungsmaßnahmen und dem Abbau des Schuldenstandes und durch umfangreiche Reformen in kommerzieller und technischer Hinsicht wurde in diesen Jahren die Grundlage für eine neue, gesunde Aufwärtsentwicklung des Unternehmens geschaffen.

Neben der Brauerei St. Marx, die noch im Krieg 1916 zugesperrt wurde, waren auch die drei mittlerweile ausländischen Dreher-Filial­brauereien nicht mehr Teil der Vereinigten Brauereien. Steinbruch wurde schon 1916 in eine eigene AG umgewandelt, die aber durch den Wechsel der Staatsbürgerschaft von Eugen Dreher der Familie erhalten blieb und von ihm bis 1949 sehr erfolgreich geführt wurde. Triest wurde auf Druck des italienischen Staates 1926 in eine eigene AG umgewandelt und kurz danach verkauft. Im selben Jahr wurde auch die Brauerei in Michelob ausgegliedert und von Kitty Wünschek, der Tochter von Anton III. erworben, die sie 1928 stilllegte.

1927 – Bankherren statt Brauherren

1927 folgte der nächste Paukenschlag. Das Bankenkonsortium und der Großindustrielle Richard Schoeller, der die Aktienmehrheit an der Hütteldorfer Bierbrauerei Aktiengesellschaft besaß, einigten sich auf eine Verschmelzung ihrer Brauereien und die Einfügung des Wortes „Hütteldorf“ in den Firmennamen. Die Brauerei Hütteldorf, im Besitz der Familien Schoeller, Gomperz und Wirth, wurde von Konrad Schneeberger geleitet. Schneeberger übernahm nach der Fusion als primus inter pares eines Triumvirates, bestehend aus ihm, Kuno Mautner Markhof und Georg Meichl, die Leitung des Unternehmens. Binnen kürzester Zeit war er, auch unter der Aktienmajorität der Familie Mautner Markhof, bis zu seinem Ableben im April 1936, der vom Vertrauen der Großaktionäre getragene uneingeschränkte Alleinherrscher. Ihm gelang es mit eiserner Faust und Energie den enormen Betrag von fast 39 Millionen Schilling (ca. 144,3 Millionen Euro) an Fremdkapital am 31. August 1926 binnen neun Jahren – bei gleichzeitigem Sinken der Biererzeugung von 1.150.000 auf 400.000 Hektoliter – auf 4,2 Millionen Schilling (ca. 15,5 Millionen Euro) am 30. September 1935 herabzudrücken und den Debetzinssaldo 1925/26 von 51 Millionen Schilling (ca. 188,7 Millionen Euro) praktisch zum Verschwinden zu bringen. Durch den Ankauf von Nominale 1,6 Millionen Schilling (ca. 5,9 Millionen Euro) eigener Aktien wurde das Aktienkapital auf 20 Millionen Schilling (ca. 74 Millionen Euro) herabgesetzt. Gleichzeitig wurde Schwechat wirklich großzügig und modern ausgebaut und in nur drei Jahren um 1,2 Millionen Schilling (ca. 4,4 Millionen Euro) modernisiert. Währenddessen wurde unter der Leitung von Georg Meichl ein Teil der Brautätigkeit in das 1917 stillgelegte Simmeringer Brauhaus verlagert, das man aber nach Abschluss der Umbauarbeiten 1930 endgültig zusperrte. Unter anderem kam es auch zu Gebietsbereinigungen um die Transportkosten zu senken, dies bedeutete den Rückzug Schwechats von ganz Österreich auf Wien, NÖ und das nördliche Burgenland. Als Beispiel dafür kann ein Vertrag mit der Brau AG angeführt werden, nach dem es in Wien das Linzer Poschacher Bier nur mehr im „Grand Hotel“ und in Linz nur im Hotel „Zur Kanone“ ausschließlich Schwechater Bier geben sollte. In allen anderen Wiener und oberösterreichischen Lokalen war nur mehr regionales Bier erhältlich. In einem Vortrag vom 5.6.1974 stellte DDr. Georg III. Mautner Markhof fest: „Ich möchte rückblickend bemerken, dass es nur der Politik Schneebergers zu verdanken ist, dass wir später die Majorität Schwechats erwerben konnten“. Auch ist es Schneeberger zu verdanken, dass 1927 erstmals wieder eine Dividende in Höhe von 10 % ausbezahlt werden konnte.

Nach diesen Veränderungen hatte das Bankenkonsortium mit einem Aktienanteil von 79 % endgültig die Macht übernommen und Bernhard Popper Artberg konnte 1927 endlich die Präsidentschaft übernehmen. Mit ihm kam ein Mann an die Macht, der überhaupt keine Beziehung zum Bier hatte. Seine Vizepräsidenten waren nun Paul Hammerschlag, Richard Schoeller (der bis zu seinem Tod im Jahr 1950 Großaktionär blieb), Wilhelm Kux (als Vertreter der NÖ Eskompte-Gesellschaft) und mit einem geringen Aktienanteil Georg Meichl (als letzter Vertreter der Brauherren). Da der „Gruppe St. Marx“ vier Sitze zustanden, war Kuno bis zu seinem Tod 1930 noch Mitglied des Verwaltungsrates, ebenso Victors Schwäger Karl Dittl von Wehrberg und Ernst Freiherr von Haynau.

Popper Artberg und Schneeberger arbeiteten nach dem Prinzip „Modernisierung und Rationalisierung, größte Ökonomie und Betriebssicherheit bei Wahrung der Qualität“. Dass dabei – damals wie heute – natürlich viele Arbeitnehmer auf der Strecke blieben, wurde nirgends vermerkt. Der Kurswert der Aktien, deren Nominale 50 Schilling (ca. 185 Euro) betrug, erreichte 1929 Kurswerte von fast 90 Schilling (ca. 333 Euro).

„Es ist aber ganz merkwürdig und bedauerlich, daß der Typus des Schwechater Bieres ganz verschwunden ist. Man sprach seinerzeit vom Wiener Lagerbier und dieses war eigentlich nur das Schwechater Bier, da die anderen Brauereien, wie schon erwähnt, dieses Bier entweder gar nicht oder in einem ganz geringen Prozentsatz erzeugten. Das Schwechater Lagerbier, bzw. das Wiener Lagerbier, das von mancher Seite wegen seiner Farbe sehr geschmäht wurde, war, soweit ich mich an die Qualität desselben erinnern kann, ein ganz vorzügliches Getränk, voll im Geschmack, prachtvoll im Schaum, gut abgelagert. […] Nun steht der Name ‚Schwechater Lager’ für ein ganz anderes Bier, einen ganz anderen Biertyp und ganze Generationen von Drehers werden sich in ihrem Mausoleum umgedreht haben.“ Die Brau- und Malzindustrie, Eduard Jalowetz, 1928. Es sollte noch 90 Jahre dauern, bis das Dreher´sche Lagerbier im Winter 2015/2016 eine Wiederauferstehung feierte.

1930 – Weltwirtschaftskrise

Einer weiteren positiven Zukunft der Brauerei wäre nichts mehr im Wege gestanden, wenn 1930 nicht die Weltwirtschaftskrise allen wirtschaftlichen Hoffnungen ein jähes Ende bereitet hätte. Diese Krise betraf vor allem die Eigentümer, also die drei Banken, die sich konkursreif 1934 mit einer Stützungsaktion des Staates zur größten österreichischen Bank Creditanstalt-Bankverein zusammenschlossen. Sie war weiterhin der Mehrheitseigentümer der Vereinigten Brauereien, einen Minderanteil besaß die Industriekredit AG, die die ehemaligen Beteiligungen der NÖ Eskompte-Gesellschaft verwaltete. CA-BV-Vorstandsmitglied Alfred Heinsheimer blieb zu seinem Tod 1935 Präsident des Verwaltungsrates der Brauerei.

Die 150 Jahre alte Brauerei in Jedlesee, die seit 1922 ebenfalls eine Aktiengesellschaft war, wurde fusioniert. Nach einem Aktientausch wurde auch sie 1930 stillgelegt und ihr Hauptaktionär Wolfgang Bosch bekam neben einem Aktienpaket ebenfalls einen Sitz im Verwaltungsrat der Vereinigten Brauereien. Er war der letzte Nachkomme einer anderen Brauherrendynastie, die gemeinsam mit der verschwägerten Familie Dengler mehr als 100 Jahre in Jedlesee tätig gewesen war. Das Aktienkapital wurde durch den Erwerb der beiden Brauereien auf 21,6 Millionen Schilling (ca. 80 Millionen Euro) erhöht. Zu erwähnen ist noch, dass die kleine Brauerei in Waidhofen an der Thaya ebenfalls fusioniert wurde, ihr Präsident Paul Hammerschlag hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen Sitz im Verwaltungsrat.

Zum Bedauern aller musste 1932 auch die Hütteldorfer Brauerei nach dem rückläufigen Bierkonsum der Wirtschaftskrise geschlossen werden. Nun war Schwechat die einzige Braustätte der Aktiengesellschaft und produziert auf 363.000 m2 Betriebsfläche einen jährlichen Ausstoß von rund 800.000 Hektolitern. Es wurden ca. 1000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, man verfügte über eine Maschinenkraft von 3000 PS und einen Lagerraum von 350.000 Hektoliter, dessen Kühlung durch Ammoniakkompressoren von 1,500.000 Kalorien stündlicher Leistung und ein Kühlleitungsnetz von 90 Kilometer Länge erfolgte. In den drei Stock tiefen Kelleranlagen gab es insgesamt 342 Betontanks mit je 450 bis 600 Hektoliter Inhalt. Die Anlage war ein Vorzeigemodell der Lagertechnik und in Europa die größte ihrer Art. Offene Gärbottiche verschwanden endgültig, Tanks aus rostfreiem Stahl setzten sich jedoch erst nach 1945 durch. Neben der Werksbahn mit 50 Güterwaggons gab es nun bereits 200 Lastkraftwagen und nur mehr 100 Pferde. An Mälzereien gab es außer der hauseigenen in Klein-Schwechat nur mehr die beiden in Floridsdorf und am Handelskai sowie 92 verschiedene Realitäten wie Bierhallen, Bierniederlagen und Wohnhäuser. Die für die Renovierungen und Neuinvestitionen benötigten Mittel in zweistelliger Millionenhöhe konnten durchwegs aus dem Gewinn aufgebracht werden.

Konrad Schneeberger musste während der letzten Jahre seines Lebens eine schwierige Zeit durchleben. Dass die Schwechater Brauerei Anfang der 1930er Jahre mit halber Kapazität einen Absatzmarkt versorgte, für den vor 1914 sie und die mit ihr fusionierten Brauereien in St. Marx, Simmering, Hütteldorf und Jedlesee benötigt wurden, verdeutlicht den drastischen Rückgang des Bierkonsums in dieser Zeit.

Der Ausstoß der Brauerei sank bis 1936 von 833.000 auf 380.000 Hektoliter. Die Investitionstätigkeit wurde fast völlig eingestellt, die Dividende wurde stufenweise von 1928 bis 1933 von 12 auf 2 % gesenkt und 1934 überhaupt gestrichen. Man versuchte die Verluste durch die Produktion von Eis, alkoholfreien bzw. alkoholarmen Getränken zu verringern und gründete dazu eine Tochtergesellschaft auf dem Simmeringer Brauereigelände, wozu später noch ein Betrieb auf dem Gelände der aufgelassenen St. Georgs Brauerei kam. Aus heutiger Sicht wurde diese Betriebsausweitung jedoch nur halbherzig betrieben, da man den später folgenden Boom am Markt der Softdrinks noch nicht vorhergesehen hatte. Auch der Versuch ein praktisch alkoholfreies Leichtbier mit dem Namen SOMA zu erzeugen, zeigte kaum Erfolg.

1935 – Georg III. Buwa erwirbt die Majorität Schwechats für die Familie Mautner Markhof

1935 war der Schuldenstand fast völlig abgebaut und die Rationalisierung war abgeschlossen. Die Creditanstalt-Bankverein und die Industriekredit AG besaßen 60 % und die Familie Mautner Markhof sowie die befreundeten Altaktionäre Richard Schoeller, Georg Gomperz und Georg Meichl 30 % der 400.000 Aktien. 10 % waren Streubesitz. Die Brauerei notierte nicht an der Börse, es gab daher keinen am Wertpapiermarkt ermittelten Kurs für die Aktien. Nach dem Tod von Georg II. Anton und dem altersbedingten Rückzug von Theodor I., übernahmen deren Söhne Georg III., Gustav, Manfred I. und Gerhard die Führung der Geschäfte. Georg III. war in diesen Jahren u. a. Präsident des Verbandes der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Präsident der Spiritus-, Hefe- und Brauindustrie, der Wiener Handelskammer und des NÖ Gewerbevereins, Vizepräsident der Industriellenvereinigung sowie von 1934 bis 1936 Bundeswirtschaftsrat als auch von 1936 bis 1938 Staatsrat, was einem Abgeordneten zum Nationalrat während des Ständestaates entsprach.

Georg III. in einem Vortrag vom 5. Juni 1974 über das Jahr 1935: „Um diese Zeit kam mir die Idee zu versuchen, die Majorität der Vereinigten Brauereien zu erwerben. Obwohl die Chancen äußerst gering erschienen, wollte ich den Versuch machen. Meinen Wünschen kam entgegen, daß der von den ausländischen Gläubigern eingesetzte holländische Generaldirektor der Creditanstalt-Bankverein, Adrianus van Hengel, grundsätzlich die Politik verfolgte, die enormen industriellen Beteiligungen des von ihm geleiteten Instituts nach Möglichkeit abzubauen.“ In Ludwig Draxler fand er einen geeigneten Mittelsmann, dem er für den Fall des Gelingens eine Provision von 200.000 Schilling (heute 740.000 Euro) zusichert. Draxler war der führende Rechtsanwalt der Heimwehren und wurde kurz nach diesem Kontakt auch Finanzminister des Ständestaates, was das Vorhaben natürlich sehr begünstigte. In Folge brachte er van Hengel soweit, dass er bereit war, den 30 %igen Aktienanteil zum Kurs von 35 Schilling (ca. 130 Euro) zu verkaufen. Gleichzeitig war die Industriekredit AG bereit, ihren 28%igen Anteil zum selben Kurs abzustoßen. „Damit war der erste Schritt getan“, schilderte er damals, „Aber woher das Geld nehmen?“ So musste er sich vorerst mit dem Kauf der Aktien der Creditanstalt-Bankverein begnügen. 35 Schilling waren 70 % des Ausgabekurses und 40 % des Kurses aus dem Jahr 1929, aber in Anbetracht der wirtschaftlichen Situation wurde er auch vom Generaldirektor der Vereinigten Brauereien Schneeberger als angemessen bezeichnet.

Käufer der Aktien war die St. Georg Brauerei – somit wurden die „Floridsdorfer Mautner Markhofs“ Hauptaktionäre von Schwechat. Dort wurden im wahrsten Sinne des Wortes die letzten Reserven zusammengekratzt, indem man alle anderen Beteiligungen verkaufte, alle Rücklagen auflöste und entsprechende Firmenkredite aufnahm. Einerseits, um das größte Einzelpaket, den 28 %igen Aktienanteils der Industriekredit AG an der Brauerei Schwechat zu erwerben, und andererseits, um weitere Anteile zur Erlangung der Mehrheit von anderen Aktionären zu kaufen. Um St. Georg wiederum die notwendige Liquidität zur Löschung dieser Kredite zu sichern, wurde im zweiten Schritt das gesamte Anlagevermögen der St. Georg von der Schwechater Brauerei erworben. Insgesamt wechselten 232.000 Aktien um 10,4 Millionen Schilling (ca. 38,5 Millionen Euro) vom Bankenkonsortium zur Gruppe Mautner Markhof. St. Georg war zum Hauptaktionär der Brauerei Schwechat geworden. Der Erwerb war 1936 abgeschlossen, die Brautätigkeit in St. Georg wurde beendet, die Gebäude wurden später als Mälzerei und für die Produktion der alkoholfreien Getränke verwendet.

Schon 1935, nach dem Tod von Alfred Heinsheimer, ließ sich Georg III. zum Präsidenten des Verwaltungsrates wählen und veränderte dessen Zusammensetzung völlig. Die Bankenvertreter mussten zurücktreten und machten Verwandten und den befreundeten Familien Platz. Georg Meichl und Richard Schoeller blieben Vizepräsidenten. Die damalige Wirtschaftskrise mit ihrer Massenarbeitslosigkeit hatte den Höhepunkt erreicht und so begrüßten sowohl Arbeiter als auch Angestellte den Eigentümerwechsel von anonymen Investoren zur Familie Mautner Markhof, deren Ansehen als Arbeitgeber über Generationen hinweg bereits einen sehr guten Ruf genossen hatte. Trotz des weiteren Umsatzrückgangs konnten die neuen Besitzer in den Jahre 1935 bis 1937 sogar eine Dividende von 5 % ausschütten, was umso bemerkenswert ist, da 1936 der absolute Tiefststand beim Ausstoß verzeichnet wurde.

In der Generalversammlung vom 1. Dezember 1936 wurde auf Vorschlag Generaldirektor Schneebergers das Unternehmen in Mautner Markhof Brauerei Schwechat AG umbenannt (diese Bezeichnung durfte jedoch nur eineinhalb Jahre bestehen und schaffte es nicht einmal auf ein Schild oder einen Bierdeckel). Es begann eine neue Periode unter der Führung der Familie Mautner Markhof, die genau 50 Jahre andauern sollte.

1938 – Schwechat in Zeiten des Nationalsozialismus

Als Adolf Hitler und seine Armee am 12. März 1938 in Österreich einmarschierten, hatte dies auch für die Brauerei Schwechat unmittelbar spürbare und nachhaltige Konsequenzen. Im September wurde die Anpassung an das deutsche Aktienrecht durchgeführt und erstmals statt eines Verwaltungsrates ein Aufsichtsrat bestellt, der von Georg III. geführt wurde. Seine Stellvertreter waren weiterhin Georg Meichl und Richard Schoeller sowie Gerhard. Manfred I. wurde Vorsitzender des Vorstandes und Gustav sein Stellvertreter. Bald nach dem „Anschluss“ fanden wie in vielen anderen österreichischen Unternehmen auch in der Brauerei politische Umbesetzungen statt. Alle als nicht „parteikonform“ bezeichnete Herren mussten aus dem Aufsichtsrat und dem Vorstand ausscheiden und wurden durch meist unfähige Nationalsozialisten ersetzt, die sich auch in die Unternehmensleitung einmischten. Schon vor 1938 war die zweite Führungsebene der Brauerei von unbemerkten, damals noch illegalen Nazis durchsetzt gewesen, die nun ihre Chance auf Karriere witterten. Zwar gelang es Georg und Manfred deren Rädelsführer fristlos zu entlassen, doch wurde dies beiden in den folgenden Monaten sehr negativ angerechnet (Schwechat in Zeiten der NSDAP).

Wirtschaftlich gesehen wirkte sich das erste Geschäftsjahr nach der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich so aus, dass Schwechat mit mehr als einer Million Hektoliter zur „größten Einzelbraustätte des Reiches“ geworden war. Damit hatte sich der Ausstoß gegenüber 1937 fast verdreifacht. Die Familie war sich anfangs sicher auch unter dem neuen Regime wirtschaftlich weiteragieren zu können, so dass man gemeinsam mit Gustav Harmer (Gesellschafter der gemeinsamen Presshefefabrik) sogar den Versuch startete, der jüdischen Familie Kuffner im April 1938 die Ottakringer Brauerei abzukaufen. Harmer, welcher ursprünglich nur die Hefeproduktion übernehmen wollte, musste nach einem massiven Einspruch der Nationalsozialisten gegen eine Beteiligung der Familie Mautner Markhof den gesamten Kuffner-Konzern alleine erwerben.

Da die Nationalsozialisten die Schwechater Brauerei nicht in österreichischer, sondern in rein arischer Hand lassen wollten, starteten sie noch 1938 den ersten Versuch, die Aktienmehrheit und somit zugleich die gesamte österreichische Brauindustrie unter ihre Kontrolle zu bringen, um sie in reichsdeutsche Hände zu legen. Es wurde seitens der NSDAP nach Gründen gesucht, um die Familienmitglieder aus dem Verkehr ziehen zu können. U. a. wurden Entlassungen von Partei-Mitgliedern, der Versuch der Übernahme der Ottakringer Brauerei und der Erwerb der Vereinigten Brauereien – den man heftig als „Betrug am Volksvermögen“ kritisierte – herangezogen. Georg III. wäre deshalb beinahe im Konzentrationslager gelandet, konnte aber beweisen, dass sowohl der niedrige Kaufpreis der Aktien der Vereinigten Brauereien als auch der relativ hohe Übernahmewert der St. Georgsbrauerei auf Gutachten von unabhängigen Experten basierten. Aus Protest legte Georg III. noch im Dezember 1938 sein Amt als „Präsident-Generaldirektor“ des neuen, nach deutschem Aktienrecht gebildeten Aufsichtsrates zurück. Die Familie musste zwar auf Druck der Partei einen vierprozentigen Aktienanteil verkaufen, was jedoch keine Auswirkung auf ihre Majorität hatte. Die Gremien wurden neu besetzt: Wolfgang Widter (mit der Familie Dreher verwandt und schon lange Jahre als Sekretär in der Brauerei tätig gewesen) wurde neuer Zentraldirektor und formeller Unternehmensleiter. Er zeigte sich gegenüber der Familie Mautner Markhof ebenso loyal wie Karl Dittl-Wehrberg, der nach dem Rücktritt Georgs Vorsitzender des Aufsichtsrates wurde.

Sowohl Georg als auch Manfred verließen nach ihren Gestapo-Intermezzi Wien, um ihre Leben zu retten. Georg entschied sich für „Ausland statt Konzentrationslager“ und verbrachte einige Jahre in Potsdam, Spanien, der Schweiz und Italien. Georg III. 1978 in einem Curriculum: „Da ich überzeugt war, dass das nationalsozialistische Regime fraglos überorganisiert sei, kehrte ich nach der Ernennung Baldur von Schirachs zum Gauleiter nach Wien zurück und lebte dort unangefochten, mich allerdings jeder wie immer gearteten Tätigkeit industrieller Art enthaltend, als Privatmann bis zum Kriegsende.“ Manfred I. hielt sich monatelang in Berlin auf, von wo aus er als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates weiterhin das Unternehmen im Hintergrund leitete, und kehrte im Mai 1940 wieder zurück.

Es konnte zwar vereitelt werden, dass die Aktienmehrheit in reichsdeutsche Hände gefallen war, doch der Familienname musste mit 1939 aus der Unternehmensbezeichnung entfernt werden. Der neue Name Brauerei Schwechat Aktiengesellschaft überlebte hingegen nicht nur das Kriegsende, sondern blieb noch Jahrzehnte unverändert.

Nach 1939 traf der Zweite Weltkrieg die Brauerei schwer. Schon im September 1940 war ein Viertel der Brauereiarbeiter eingerückt, es wurden wieder Frauen und vor allem für die schweren Arbeiten auch zunehmend ausländische Arbeiter eingesetzt. Bis zuletzt versuchte Bürckels Nachfolger, Gauleiter Baldur von Schirach, durch Auskämmaktionen die letzten Reserven an kriegsverwendungsfähigen Brauereiarbeitern zu aktivieren, so dass im Februar 1945 der Personalstand nicht einmal mehr die Hälfte von 1939 umfasste. Auch Mitglieder der Familie wurden kriegsdienstverpflichtet. Von Gustav I. wissen wir, dass er Panzergrenadier war, bis er nach einer schweren Gelbsucht bei der I.G. Farben einen zivilen Posten bekam. Manfred I. musste eineinhalb Jahre bei der Flak als Kfz-Fahrer dienen und entging nur dank der Beziehungen seiner Frau Maria „Pussy“ knapp einem Kriegseinsatz an der Ostfront, indem er für die Hefefabrik U.K. (unabkömmlich) erklärt wurde. Sein Sohn Manfred II. erlebte den Krieg als Luftwaffenhelfer bei mehreren Wehrmachtseinheiten und geriet in Regensburg sogar für wenige Tage in US-Kriegsgefangenschaft, aus der er aber sehr rasch entlassen wurde. Gerhards Sohn Heinrich wurde noch gegen Kriegsende einberufen und an der Front dreimal verwundet.

Da man in den ersten Kriegsjahren noch die Kapazität durch Investition erhöhen wollte, war ein Antrag von Manfred I. im September 1938 auf einen 25 %igen Investitionszuschuss für den Bau eines neuen Gerstensilos und einer Mälzerei genehmigt worden und die beiden Einrichtungen konnten 1942 in Betrieb genommen werden. Als 1941 „100 Jahre Lagerbier“ gefeiert wurde, gab es jedoch sofort wieder Probleme, da man Anton Dreher nicht als Erfinder anerkennen wollte. Generaldirektor Widter in einer Aufsichtsratssitzung: „Die Zeitungsanzeigen, welche im Zusammenhang mit der vor 100 Jahren erfolgten Einführung des Lagerbiers in Schwechat auf unsere ehemalige Stellung als Exportbrauerei hinwiesen, waren Gegenstand von Angriffen aus dem Altreich, die uns Veranlassung gaben, die geschichtlichen Grundlagen unserer in den Inseraten aufgestellten Behauptungen weiter erforschen zu lassen. Diese Forschungen haben nun eindeutig erwiesen, dass im Jahre 1841 das erste helle Lagerbier der Welt von Schwechat seinen Ausgang nahm. Diese für uns bedeutsame Tatsache wird in einer demnächst erscheinenden Werbeschrift festgehalten und damit zur Festigung des Rufes von Schwechat weiteren Kreisen bekanntgemacht werden.“

Im Zweiten Weltkrieg gab es eine wesentlich bessere Rohstoffplanung als im Ersten, so betrug die Produktion bis 1943 noch mehr als eine Million Hektoliter. Allerdings wurde ab Dezember 1939 nur mehr 9-gradiges Bier und ab Mai 1940 auch 6-gradiges Bier erzeugt, wobei das bessere bis in die letzten Kriegstage nur an Institutionen der Partei geliefert werden durfte. Auch braute man ab Oktober 1940 ein 10-gradiges Hopfenperle Spezialbier, es war aber im freien Verkauf nicht erhältlich und stand nur für besondere Anlässe zur Verfügung. Darüber hinaus produzierte man SOMA, ein bierähnliches Malzgetränk und andere Limonaden. Es wurden ab 1941 die Auslieferungskontingente für Flaschenbier und ab 1944 auch die für das Fassbier beschränkt. Mit Ende 1943 wurden große Teile der Brauereikeller für kriegswichtige Betriebe besetzt und 1944, mit Beginn der Luftangriffe auf Wien, durfte gerade noch 25 % der Biermenge des Jahres 1938 erzeugt und verkauft werden. Die 200 Lastkraftwagen und 2.600 Waggons für den Transport von Bier und Gerste und wurden größtenteils eingezogen, ohne allerdings im Krieg jemals verwendet zu werden. Nur mit großer Mühe konnte ein totaler Auslieferungsstopp verhindert werden. Es ist dem großen betriebswirtschaftlichen Geschick von Manfred I. zu verdanken, dass bis zum Kriegsende eine 7 bis 8 %ige Dividende ausbezahlt werden konnte. Auch achtete er darauf die Überschüsse der Brauerei nicht in die Finanzierung des Krieges fließen zu lassen, sondern investierte sie in eine gegen Geldentwertungen abgesicherte Gemäldesammlung. Dabei achtete er genau darauf keine arisierten Bilder zu erwerben, was sich nach 1945 sehr bewährte. Die Gemälde sollten noch wertvolle Dienste leisten und später auch für eine entsprechende Ausstattung der Repräsentationsräume sorgen. Im Mai 1950 konnte er stolz vermelden, dass der Wert dieser Bilder 4,7 Mio. Schilling (fast 4 Mio. Euro) betrage und gegenüber anderen Geldanlagen den dreifachen Wert erreicht hatte.

Nachdem es Manfred I. Anfang 1945 gelungen war, seine Frau und Töchter nach St. Martin beim steirischen Grimming zu verlagern, geriet er bei der Rückfahrt im Westen Wiens in die letzten Kampfhandlungen zwischen den deutschen und russischen Armeen und erreichte die Stadt nur mit großen Umwegen und viel Glück. Er verbrachte das Kriegsende in seinem Haus in Simmering (das danach bei Kampfhandlungen abbrannte), fuhr aber dann sofort nach Schwechat, wo sich die Wehrmacht und russische Armee über die Fabrik hinweg ein Granatwerfergefecht geliefert hatten.

1945 – Wiederaufbau und Expansion; Manfred I. prägt drei Jahrzehnte die Geschichte der Schwechater Brauerei

Georg III. war 1945 vor den Russen über die Schweiz nach Brasilien geflüchtet, er wollte Europa verlassen, da er jede Hoffnung auf das Überleben seines Unternehmens aufgegeben hatte. Als er 1949 erstmals nach Wien zurückkehrte wurde er Aufsichtsratsvorsitzender und von 1968 bis zu seinem Tod im Jahr 1982 Ehrenvorsitzender der Brauerei.

Manfred I. war ein Wirtschaftsführer der ersten Stunde. Er hatte nach Kriegsende keine Angst vor den russischen Besatzern und übernahm am 24. Mai 1945, einige Wochen nach Beendigung der Kampfhandlungen, auch de jure wieder die Führung des Betriebes, da er vom österreichischen Staatsamt für Industrie, Gewerbe, Handel und Verkehr als öffentlicher Verwalter seines eigenen Unternehmens bestellt worden war. Vorderdringlich war, dass die sowjetische Besatzungsmacht keinen Einfluss auf die Brauerei ausüben konnte. Da sich 92 % der Aktien in österreichischen Händen befanden, konnte leicht bewiesen werden, dass die Brauerei nicht dem „deutschen Eigentum“ zuzurechnen war. Einige der Führungskräfte, unter ihnen auch der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Dittl-Wehrberg, waren beim Einmarsch der sowjetischen Armee nach Westösterreich geflohen, so erfüllte Manfred fast fünf Monate lang auch alle Aufgaben des Aufsichtsrates, des Vorstandes und der Hauptversammlung. Erst als die Verhältnisse wieder halbwegs normal waren, berief er am 9. Oktober 1945 eine außerordentliche Hauptversammlung ein, bei der sein Vater Theodor I. zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates und sein Bruder Gerhard zum Stellvertreter gewählt wurden. In der Folge gab es bei den Besetzungen des Aufsichtsratspräsidenten und des Vorstandsvorsitzenden sowie deren Stellvertreter eine zumindest in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte einmalige Situation: Bis 1978, also 33 Jahre lang, gab es auf diesen Positionen nur Mitglieder der Familie.

Sofort nach Kriegsende wurde mit dem Wiederaufbau der Brauerei begonnen, ein Fünftel der Gebäude war zerstört worden. Zwar gab es noch Restbestände an Bier, doch musste fast alles an die Besatzungsmächte geliefert werden, weswegen selbst die Russen sehr am reibungslosen Betrieb interessiert waren. Von den 1,5 Millionen Fässern der Vorkriegszeit konnten gerade 400.000 und von den drei Millionen Flaschen gar nur 250.000 gerettet werden. Statt 280 Lastautos waren nur 29 einsatzbereit, doch gab es für sie noch lange weder Treibstoff noch Reifen. So musste sich Manfred auch unorthodoxer Mittel bedienen und verkaufte an einen Schweizer Unternehmer ein Gemälde von van Dyck gegen 96 LKW-Reifen, um den Fuhrpark wieder flott machen zu können. Hopfen war zwar genug vorhanden, doch ließ der Mangel an Malz, Zucker und Kohle nur eine geringe Produktion zu (am 28. Juni 1945 konnte dann erstmals wieder in kleinen Mengen gebraut werden). Der Kampf um vorhandene Rohstoffe war vom Verhandlungsgeschick Manfreds und seines Generaldirektors Otto Wanke abhängig. Anfangs beschaffte man sie aus dem Simmeringer Betrieb (Vereinigte Hefefabriken Mautner Markhof & Wolfrum AG), wo größere Restposten noch aus Kriegszeiten lagerten. Da niemand vermutete, dass in der Hefefabrik eine Mälzerei arbeitete, konnten sie noch unbemerkt von den alliierten Militärbehörden verarbeitet werden.

Schon am 8. August 1945 leitete Manfred die erste Sitzung des neu konstituierten Verbandes der Brauereien Österreichs und war bis 1965 deren Vorsitzender und somit der mächtigste Mann der österreichischen Brauereiwirtschaft. Ihm ist es auch zu verdanken, dass es in den Nachkriegsjahren relativ rasch wieder geordnete Brauverhältnisse gab. In diesem Verband, der auch die Brauereien als Fachverband in der Wirtschaftskammer vertrat, regelten Schwechat, Göss, Reinighaus, Stiegl, Ottakring und die Brau AG gemeinsam ab 1948 alle Probleme im Rahmen des Bierkartells und bildeten damit ein Oligopol, das den gesamten Markt beherrschte. Da die Regierung jedoch weitgehend verhinderte, dass die Gerste für den Braubetrieb verwendet werden durfte, bekam er dennoch die gewaltigen Probleme des Rohstoffeinsatzes kaum in den Griff. Gerste war von den Alliierten zum Brotgetreide erklärt worden und es bestand ein Vermalzungsverbot, das an ein Verbot der Kohlenzuteilung gekoppelt war.

Im Winter 1947 mussten Produktion und Bierverkauf vor allem wegen des Stromausfalls drei Monate lang eingestellt werden. Aus dem Protokoll des Arbeitsausschusses: „Das Groteske an unserer jetzigen Lage ist die Tatsache, daß man bei dem derzeitigen Riesenansturm von einem Erfolg der Verkaufsabteilung reden muss, wenn es ihr gelingt, den Verkauf auf unter 35.000 hl pro Monat zu halten.“ Wenn man Bier ausführte, dann nur an wichtige Organisationen, an bestimmte Werksküchen und an hitzegefährdete Betriebe, jedoch kaum an Gasthäuser. Die Volksstimme berichtete, dass an warmen Tagen vor den Gasthäusern lange Schlangen warten, bis Bier ausgeschenkt wird. Es dauert meist nicht lange, und auf dem Schanktisch und an der Eingangstür erscheint eine Tafel: „Kein Bier“.

Obwohl der Rohstoffmangel noch immer deutlich zu spüren war, kam es 1948 zu einer Verbesserung der Verhältnisse, weshalb Manfred entschied den Flaschenbierverkauf wiederaufzunehmen, um erstmals wieder 7,5-gradiges Bier für die Bevölkerung auf den Markt zu bringen. Es ist der mustergültigen Vertriebsorganisation von Gustav I. zu verdanken, dass der Fassumschlag weg von der Brauerei und zurück auf nur vier Tage beschränkt war (was keine andere Großbrauerei schaffte).

So schritt in Wien das Brauereisterben voran. Als man dann das Nussdorfer Brauhaus von Wolfgang Bachofen Echt um rund 10 Millionen Schilling, teils in bar, teils in Schwechater Aktien erwarb, ging es 1950 in die letzte Phase. Dafür musste eine Erhöhung des Aktienkapitals auf 21 Millionen Schilling durchgeführt werden und ein Vertreter der Familie Bachofen Echt zog in den Aufsichtsrat ein. Schließlich, 1959, nach dem Verkauf des Brauhauses Rannersdorf an ein Brauereikonsortium, blieben im Raum Wien nur noch Schwechat und Ottakring als selbständige Brauereien über. Insgesamt, so heißt es, war die Brauerei Schwechat für die Schließung von 15 Brauereien in Wien und Umgebung zumindest mitverantwortlich. Kurz zu erwähnen wäre, dass die Sowjets 1949 in einer Schwechater Malzfabrik eine eigene Brauerei nur für die USIA-Läden eröffneten. Dieses russische Bier war jedoch extrem schlecht und so konnte Manfred die USIA dazu überreden, Schwechater Bier zu einem billigeren Preis als im übrigen Einzelhandel zu verkaufen. Damit beseitigte er noch vor dem Staatsvertrag auch diesen Konkurrenten.

Um genug Bargeld zur Verfügung zu haben, wurden in den Nachkriegsjahren viele Liegenschaften liquidiert: Die Gründe der ehemaligen, von Bomben zerstörten St. Marxer Brauerei, die Grundstücke der fusionierten Nussdorfer Brauerei, der Dreher-Park in Meidling und das kriegsbeschädigte Haus des Brauherren-Vereines in der Kärntnerstraße 23, das die Familie nach der Selbstauflösung des Vereins 1938 erworben hatte. Die Grundstücke der St. Georgs-Brauerei wurden erst 1970 an die Gemeinde Wien verkauft. Der Firmensitz verblieb vorerst in Simmering, da man bei einer Verlegung der Zentrale nach Schwechat in die russische Besatzungszone gewechselt wäre. Allein in den ersten beiden Nachkriegsjahren wurden 17 Millionen Schilling für den Wiederaufbau verwendet, der aber erst 1957 endgültig abgeschlossen werden konnte. Im diesem Jahr wurde auch das 325-jährige Gründungsjubiläum der Brauerei gefeiert. Aus der Festschrift: „Anlässlich des Jubiläums […] vereinte am 19. Mai 1957 eine schöne Feier die Leitung und alle Angestellten und Arbeiter des Betriebs. Bundeskanzler Ing. Raab war persönlich erschienen und gab in seiner Ansprache seiner Freude Ausdruck, einem so blühenden österreichischen Unternehmen zum 325. Geburtstag gratulieren zu können.“ Es gab viele Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und „mit diesen Auszeichnungen wurden nicht nur jene geehrt, denen sie überreicht wurden, sondern alle, die sich in den schweren Jahren nach dem Krieg um den Wiederaufbau der Brauerei und damit um die österreichische Wirtschaft verdient gemacht haben.“ […] „Hoch über allen anderen Gebäuden […] ragt der gewaltige Silo, der in den Jahren 1939 bis 1941 erbaut wurde und einen Speicherraum für 1200 Waggons Getreide oder Malz einschließt. 40 Silozellen mit einem Fassungsraum von je 280 bis 300 t, ausgestattet mit modernsten Belüftungsvorrichtungen, Klima- und Trocknungsanlagen, und eine Getreideförderung von großer Leistungskapazität sind für die Einlagerung des wichtigen Rohstoffes Gerste von ausschlaggebender Bedeutung. Eine Leuchtwarte sorgt für eine übersichtliche Kontrolle und für die Überwachung der Gesamtanlage durch automatische Anzeige der in Gang befindlichen Maschinen und eingeschalteten Transportwege. Die zentrale Ein- und Ausschaltmöglichkeit ganzer Vorgänge und die selbsttätige Ausschaltung einzelner Maschinen bei Betriebsstörungen sorgen für reibungslose Abwicklung aller Arbeitsvorgänge und nähern sich bereits der Automation. Elektrische Fernthermometer ermöglichen die Temperaturkontrolle in den einzelnen Silozellen und das Messen der Außenluft, die außerdem durch elektrische Hygrometer auf ihren Feuchtigkeitsgehalt geprüft wird.“ Kurz zuvor wurde auch das neue Sudwerk fertiggestellt: „In seiner formschönen architektonischen Gestaltung ist es ein überzeugender Beweis dafür, daß es möglich ist, auch Industriebauten, die rein technische Aufgaben zu erfüllen haben, ästhetisch einwandfrei auszuführen. Das Sudhaus ist das Herz jeder Brauerei. Das Farbenspiel der gewaltigen kupfernen Maischpfannen und der Würzepfanne entlockt dem Laien staunende Bewunderung und erfüllt das Herz des Fachmannes mit Freude.“

Die Brauerei hatte sich in nördliche Richtung ausgedehnt und bekam die Adresse Mautner-Markhof-Straße 11.

1957 – die Blütezeit der 2. Republik beginnt

Der Bau des neuen Sudhauses erlaubte die Verdoppelung der Kapazität, die Flaschenabfüllanlage hatte bereits 1958 einen Ausstoß von mehr als 100 Millionen Flaschen erreicht und es wurde mit dem Neubau der Mälzereianlage begonnen. Zu dieser Zeit verfügte die Brauerei über rund 50 Bierdepots in Österreich. Man hatte schon 1955 die Marke „Hopfenperle“ als Spezialbier, vor allem in der 1/3 l Flasche, reaktiviert, und Anfang der 1960er Jahre konnte erstmals wieder die 1-Million-Hektoliter-Grenze überschritten werden (dieser Ausstoß wurde bis 1978 ausnahmslos durchgehend gehalten). Als 1964 der Donauturm gebaut wurde, beteiligte sich die Brauerei mit 25 %, wodurch viele Jahrzehnte hinweg das stilisierte Schwechater Bierglas an der Spitze thronte.

Zugleich zeichneten sich aber auch große Marktveränderungen ab. In Wien und Niederösterreich ging der Bierabsatz durch das Gasthaussterben, die langen Urlaubssperren im Sommer, die veränderten Freizeitgewohnheiten der Städter, das Fernsehen als neue Abendbeschäftigung und die zunehmende Konkurrenz der steiermärkischen Brauereien zurück. Die westösterreichischen Brauereien mit der Brau AG an der Spitze profitierten hingegen vom zunehmenden Fremdenverkehr, so dass sich die Marktanteile immer mehr vom Osten Österreichs in den Westen verschoben.

1967, in seinem letzten Jahr als Vorsitzender des Vorstandes, erreichte Manfred I. mit einem Rekord-Ausstoß von 1,3 Millionen Hektolitern ein so genanntes „all time high“ und man beteiligte sich an der SKOL International Ltd., unter deren Mantel Manfred II. die neue weltweit verkaufte Biersorte gleichen Namens erzeugte (als in diesem Unternehmen englische Braubosse das Kommando übernahmen, verkaufte die Familie die Beteiligung mit Gewinn und hatte als Gründungsmitglied davon profitiert, nie Lizenzgebühren zahlen zu müssen). 1968 übergab Manfred I. den Vorstandsvorsitz an seinen langjährigen Mitstreiter Gustav I., der aber zwei Jahre später verstarb, so dass Manfred II. ab 1970 an die operative Unternehmensspitze folgte.

Am alkoholfreien Sektor war man erfolgreich am Mineralwasserproduzenten Güssinger beteiligt, man erzeugte bekannte Limonaden wie Soma und brachte als eine der ersten Brauereien ein alkoholfreies Bier heraus (dessen Erzeugung nach der Fusion zur Brau Union wiedereingestellt wurde). Manfred II. hatte mit seinen Technikern ein Verfahren entwickelt, mit dem man Bier als Konzentrat herstellen konnte. Aus den Lebenserinnerungen von Manfred II.: „Man war in dieser Entwicklung schon recht weit, Geschmackstoffe hätte man noch hinzufügen können, aber grundsätzlich war das Produkt fertig und kein Unterschied zu herkömmlichem Bier bemerkbar. Unser „Versuchsmarkt“ wäre die Sowjetunion gewesen, und so mussten wir den dortigen Markt in Hinsicht auf Interesse an unserem Bierkonzentrat erkunden.“ Die Russen verloren aber das Interesse daran „Versuchskaninchen“ zu sein, und es gab keine weiteren Aktivitäten auf diesem Gebiet. Auch war die Schwechater Brauerei bei der Markteinführung neuer Gebinde der Konkurrenz oft einen Schritt voraus. Sie führte als eine der ersten die Europaflasche und als erste an Stelle der Holzkisten und -fässer die wesentlich pflegeleichteren aus Kunststoff bzw. Edelstahl ein. In Schwechat gab es damals 13 Millionen Euroflaschen und 800.000 Kunststoffkisten –  Anton Dreher arbeitete 1913 noch mit nur 5 Millionen Flaschen. Als Auffanggesellschaft für notleidende Gastronomiebetriebe war von Manfred II. die 1973 gegründete „Steffl Braugaststätten GmbH“, die später in „Lembacher-Restaurationsbetrieb GmbH“ umbenannt wurde, gedacht. Als erstes Restaurant wurde das renommierte Coq d’Or erworben. Eine reine Auffanggesellschaft stellte sich jedoch in weiterer Folge als unnötig heraus, da die weiteren Betriebe mehrheitlich, nach allerdings schmerzhaften Anfangsverlusten in den Startjahren, im Laufe der Zeit zu ordentlich gewinnabwerfenden Unternehmen umfunktioniert werden konnten. Man führte aber weiterhin die langjährigen Restaurants im Schwechater Hof (vormals Drehers Etablissement), in der Goldene Kanone in Linz, die in den 70er Jahre den größten Bierumsatz aller Restaurants hatte, und später auch einige Lokale in der 1976 gegründeten Shopping City Süd. Schließlich konnte die Brauerei über eine Schachtelbeteiligung auch neue Hotels wie das Holiday Inn in Innsbruck errichten.

1978 – Brau AG wird Mehrheitseigentümerin der Brauerei Schwechat AG

Da Gerhard und Gustav I. innerhalb von nur einem halben Jahr starben, musste der jahrelang bewährte Führungsstil der Familie Mautner Markhof für ihre gesamten Unternehmen mit der 352. Viererzug-Sitzung im Februar 1973 formell aufgelöst werden. Somit konnten erstmals auch alle Familienmitglieder, die im Besitz von Aktienpaketen der Brauerei Schwechat AG waren laut ihren Stimmrechten mitentscheiden. Da die Familie zu diesem Zeitpunkt in der Brauerei Schwechat nicht mehr die Mehrheit hatte, wurde in weiterer Folge im Jahr 1974 die „St. Georg Verwaltungs- und Beteiligungs AG“ gegründet, um einen einheitlichen Aktionärsblock bilden zu können. Die befreundeten Familien Meichl, Bachofen Echt und andere schlossen sich dieser Beteiligungs AG an. Die St. Georg kaufte solange Aktien (auch die der Girozentrale), bis sie 51 % an der Brauerei Schwechat besaß. So konkurrierten in den 1970er Jahren in Österreich vier große Brauerei-Aktiengesellschaften um den Markt und spielten untereinander diverse Kooperationsszenarien durch: die Brauerei Schwechat AG (unter der St. Georg AG), die Österreichische Brau AG (unter der Familie Beuerle), die Brüder Reininghaus Brauerei AG und die Gösser Brauerei AG (für Reininghaus-Gösser die Creditanstalt unter Heinrich Treichl). Allen Beteiligten war bereits zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass kein Wachstum mehr stattfinden, sondern Gewinne nur noch durch Rationalisierung erwirtschaftet werden konnten.

Die folgenden Jahre brachten auch in Wien und Niederösterreich einen gewaltigen Umbruch in der Bierkultur, der sich auf den „Platzhirschen“ Schwechater negativ auswirkte. Die Zwettler und die Ottakringer Brauerei hatten 1977 das Bierkartell gesprengt, wodurch in den Gasthäusern auch andere Fassbiere angeboten werden konnten. Kleine Brauereien wie Hirt drängten in die Bundeshauptstadt und auch Hausbrauereien von Gasthäusern wurden mit Begeisterung angenommen. Die Supermärkte hatten sich von Haus aus nie an Kartellgrenzen gehalten und immer verschiedene Flaschenbiere verkauft, so bestellten die Wiener immer öfter nicht ein Bier, sondern überlegten (bereits lange vor Craft Beer) welches sie trinken wollten. Darüber hinaus wirkten sich einige Entscheidungen, insbesondere im Marketing und beim Einsatz der finanziellen Mittel, nachteilig aus, ohne dass rechtzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet wurden (die preisliche billigere Positionierung der Hauptmarke Schwechater gegenüber der Konkurrenz hatte viel zu wenig zusätzliche Absatzmengen generiert als erwartet; der dadurch fehlende Deckungsbeitrag konnte nicht ausgeglichen werdern). 1977 kam es erstmals zu einer Verlustbilanz und man kam zu der Erkenntnis, dass die Erhaltung von Substanz und Ertrag vernünftiger ist als die Führung eines wenig sinnvollen Konkurrenzkampfes. Harte Rationalisierungsmaßnahmen wie eine Kündigung hunderter Mitarbeiter wären zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht durchzusetzen gewesen, da der damalige Bürgermeister von Schwechat Rudolf Tonn sich als ehemaliger Betriebsratsobmann der Brauerei dagegenstellte. So verschmolz die Familie Mautner Markhof 1978 die als Holdinggesellschaft fungierende St. Georgs Verwaltungs- und Beteiligungs AG mit der bestehenden Holding der Brau AG, welche dadurch wiederum zur Mehrheitseigentümerin der Brauerei Schwechat AG wurde. Es vereinigten sich damals – gemessen am Umsatz – die Nr. 30 (Brau AG) mit der Nr. 57 (Schwechat AG) zum 15. größten Betrieb Österreichs und die St. Georg wurde mit 26 % Beteiligung zum größten Einzelaktionär dieser Brau Union.

Der Markenname Schwechat blieb ebenso bestehen wie die Aktiengesellschaft, was der 25 %igen Beteiligung der Creditanstalt zu verdanken ist, die seit 1970 die Familie Schoeller als zweitgrößten Aktionär abgelöst hatte, und das steuerschonende Modell einer Schachtelbeteiligung ausnützen wollte. Die anfangs gemeinsam agierenden Generaldirektoren waren Dr. Christian Beurle in Linz und Manfred II. Mautner Markhof in Wien. Manfred II. trat nach der Fusion als Generaldirektor zurück und überließ seinen Vorstandsposten seinem Cousin Gustav. Manfred I. blieb noch bis zu seinem Tod im Jahr 1981 Vorsitzender des Aufsichtsrates, ihm folgte Marius Mautner Markhof, ein Sohn Gerhards. Der Zusammenschluss der beiden Großbrauereien machte nun weitgehend Umstrukturierungen notwendig, vielen Biermarken und ihre unterschiedlichen Absatzgebiete waren möglichst rationell unter einen Hut zu bringen. Man versuchte die Brau AG und Schwechat mit einer einheitlichen EDV-Buchhaltung gleichartig zu organisieren und die unterschiedlichen Unternehmenskulturen anzugleichen.

1982 wurden 350 Jahre Brauerei Schwechat gefeiert, in diesem Jahr wurde auch die Produktion von Soma und Sodawasser sowie die Mineralwasserabfüllung eingestellt. Der Zubau einer Ausstattungs- und Exportkolonne bot völlig neue Verpackungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Als 1986 die Brau AG ihr Grundkapital um 28 Mio. Schilling erhöhte, erwarb die Brauerei Schwechat AG Aktien im Wert von 7 Mio. Schilling bei gleichzeitiger Ausgabe von eigenen Aktien im Wert von 10 Mio. Schilling, um den 25 %igen Anteil zu halten. Damit erhöhte sich das Aktienkapital auf 160 Millionen Schilling. Schließlich kam es 1987/88 an einem neuen Standort zum Neubau des Gär- und Lagerkellersystems aus Edelstahl, das die alten Tankanlagen aus der Zeit von Konrad Schneeberger ablöste.

Im Jahr 1998 wurde aus der Fusion zwischen der Österreichischen Brau AG und der Steirerbrau AG die Brau Union Österreich AG gegründet. Nach wie vor war die Familie Mautner Markhof mit 26 % auch dort der größte Einzelaktionär.

2003 – Brau Union Österreich goes Heineken

Es folgte im Jahr 2003 der Erwerb von 33 % der Anteile der Brauerei Schladming, der im Jahr 2005 auf 90 % erhöht wurde. Als im Jahr 2003 die neue Gesellschaft in den Besitz des Heineken Konzerns überging, konnte Generaldirektor Karl Büche erwirken, dass weder Braustätte noch Name Schwechat untergingen. Auch hatte Freddy Heineken durch die zuvor bereits getätigten Rationalisierungsmaßnahmen einen so entscheidenden Vorsprung, dass er um die Hälfte günstiger produzieren konnten. Schwechater gilt als Musterbeispiel dafür, wie stark traditionell österreichische Unternehmen in internationalen Konzernen positioniert sein können.

Dieses und jenes zur Brauerei Schwechat

Manfred I., der Familientradition folgend, verbesserte mit vielen Aktionen die Lebensqualität Schwechats, insbesondere die Wohnungsnot nach dem Krieg, indem er neue Unterkünfte für die Mitarbeiter errichten ließ. Er finanzierte den Bau des ersten Kinderfreibads und kümmerte sich auch sonst um notleidende Kinder in der Stadt. Gerne hätte er auch ein Spital errichtet, aber in Hinblick auf die großen Folgekosten hatte der Bürgermeister dankend abgelehnt. So gut wie in jeder Familie Schwechats war zumindest ein Mitglied bei der Brauerei beschäftigt und es ging sehr familiär zu. Auf dem Brauereigelände selbst lebten rund 80 Menschen, auch einige Familienmitglieder wuchsen dort heran, Tür an Tür mit den Kindern des Kellermeisters, der Braumeister, der Elektro- und Maschinenoberingenieure. Zwei bis drei Kühe sorgten für frische Milch, Hühner für frische Eier und im brauereieigenen Hirschgehege konnte man einen ehrwürdigen Einser-Hirsch bewundern.

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Das langanhaltende Image eines „Bauarbeiter-Gebräus“ haftete dem Schwechater Bier vor allem durch die beliebte Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ an. In fast jeder Folge öffnete der Schauspieler Karl Merkatz als „Mundl Sackbauer“ seine Bierflasche durch das laute Aufreißen des typischen Alka Verschlusses, der erst 1979 durch die Brauerei ersetzt wurde. Schwechater war eine der letzten, die diese klassische Aufreißkapsel aus Aluminium, die, weil oft nicht luftdicht, bisweilen auch Probleme mit der Hygiene mit sich brachte, ersetzte.

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Unter der Leitung von Manfred II. Mautner Markhof wurde das Unternehmen 1967 erster Trikotsponsor des FK Austria Wien und somit überhaupt erster Trikotsponsor in der österreichischen Fußball-Liga; auch stelle er als Austria-Präsident bis 1971 die entsprechende Verbindung zwischen Klub und Unternehmen dar.

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Da ihn der Slogan der Steirer „Gut. Besser. Gösser.“ immer recht gewurmt hatte, war Manfred II. immer auf der Suche nach einer mindestens ebenbürtigen Kampagne für sein eigenes Bier gewesen. Eine Erfindung, auf die er dann persönlich sehr stolz war, ist der Slogan „Schwechater, recht hat er!“, mit dem ihm ein Coup geglückt ist, der ungebrochen Fortbestand haben sollte.

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