Unternehmen

Die Mautner Markhof´schen Betriebe, die auf Adolf Ignaz als Gründer zurückgehen, blieben über 7 Generationen hinweg und mehr als 160 Jahre lang in der Hand nur einer Familie und schrieben somit österreichische Industriegeschichte. Banal klingende Erfindungen bzw. Entwicklungen – einerseits die Presshefe 1846, andererseits der Senf 1921 und Hesperidenessig 1927 – gaben der gesamten Nahrungsmittelwirtschaft Impulse. Mautner Markhof war die führende Lebensmittelmarke, vor allem Essig und Senf markierten die Erfolgsgeschichte, sodass jeder Tisch in Österreich mit den hauseigenen Produkten gedeckt war. Nach 1945 wurde das Sortiment um Kren und Sirup erweitert. 2001 wurde der Feinkostbereich aus dem Familienbesitz ausgegliedert und in Folge an die bayerische Firma Develey verkauft, die ihn bis in die Gegenwart erfolgreich unter dem alten Markennamen führt. Der zweite große Familienbesitz, der Schwechater-Anteil an der Brau Union, ging schließlich an Heineken.

  • 1690 die Familie Mautner beginnt mit der Erzeugung von Branntwein in Smiřice/Böhmen
  • 1841 Adolf Ignaz Mautner (ab 1872 „von Markhof“) startet Bierbrauerei in St. Marx
  • 1850 Adolf Ignaz Mautner und die Brüder Reininghaus entdecken ein bahnbrechendes Verfahren zur industriellen Herstellung von Hefe
  • 1861 Erwerb der Hefe- und Alkoholfabrik in Simmering
  • 1864 Errichtung der Hefe- und Alkoholfabrik in Floridsdorf
  • 1892 Georg I. Heinrich Mautner v. Markhof gründet die Brauerei St. Georg in Floridsdorf
  • 1903 Bau der Essigfabrik in Simmering
  • 1913 Victor Mautner v. Markhof fusioniert die Brauerei St. Marx mit Schwechat Georg II. Anton und Theodor I., die Söhne Georg I. Heinrichs, führen Floridsdorf und Simmering weiter
  • 1936 Georg III. Buwa erwirbt für die Familie die Mehrheit der Anteile an der Brauerei Schwechat, St. Georg wird stillgelegt
  • 1978 Einbringung der Brauerei Schwechat in die Österreichische Brau AG
  • 2002 Verkauf der Feinkost und der Marke Mautner Markhof an Develey München

Es begann damit, dass es Adolf Ignaz Mautner gelang, das stark heruntergewirtschaftete kleine Brauhaus in St. Marx zu sanieren und es 18 Jahre später als Eigentum zu erwerben. Nachdem er seinen ältesten Sohn Carl Ferdinand als Gesellschafter aufgenommen hatte, nannte er das Unternehmen fortan Ad. Ig. Mautner & Sohn. Ab 1848 waren die Hauptgeschäfte des Unternehmens Bier und Presshefe. Gleichzeitig befasste man sich auch mit der Erzeugung von Spiritus und Spirituosen – ab 1861 in der dafür errichteten Filiale in Wien Simmering. 1903 kam die Fabrikation von Essig hinzu, 1913 wurde Feinkost ins Sortiment aufgenommen.

1864 gestatte Adolf Ignaz seinem drittältesten Sohn Georg I. Heinrich, eine eigene Hefe- und Spiritusfabrik in Wien Floridsdorf zu errichten – dies allerdings mit der Auflage, dass die gesamte dort erzeugte Hefe an St. Marx zu liefern sei. Ab 1872 betrieb dieser dann gemeinsam mit seinem Schwager Freiherrn von Waechter auch eine Malzfabrik (ebenfalls in Floridsdorf), die sich zu einer der größten der Donaumonarchie entwickelte. Sie wurde 1890 an Carl Ferdinand verkauft. 1892 gründete Georg Heinrich seine eigene Brauerei, der er den Namen „Zum St. Georg“ gab.

1913, nachdem Carl Ferdinands Sohn Victor St. Marx mit Dreher und Meichl zu der Vereinigten Brauereien Schwechat, St. Marx, Simmering – Dreher, Mautner, Meichl Aktiengesellschaft fusioniert hatte, verkaufte er auch die Hefe- und Spirituserzeugung in St. Marx, inklusive dem Filialbetrieb in Simmering. Erworben wurde sie von Georg Heinrichs Söhnen Theodor I. und Georg II. Anton, denen es so gelang, das Lebenswerk von Adolf Ignaz der Familie Mautner Markhof zu erhalten. Das Unternehmen wurde in zwei Firmen geteilt: Vereinigte Mautner´sche Presßhefe Fabriken Ges.m.b.H. (für Hefe und Spiritus, inklusive der später übernommenen und stillgelegten Erzeugungsstätten in St. Marx und Floridsdorf) und Th & G Mautner Ritter von Markhof (für Essig und Spirituosen).

Diese beiden Firmen bildeten den Kern der Mautner Markhof´schen Industrie. Gerhard, Manfred I., Georg III. und Gustav (Viererzug) wurden später als persönlich haftende Gesellschafter alleinige Besitzer der Th & G Mautner Markhof und fungierten gleichzeitig als öffentliche Gesellschafter der Presshefefabrik, an der auch mehr als zwei Dutzend Familienmitglieder als Kommanditisten beteiligt waren. Der Aufstieg der Simmeringer Betriebe war begleitet von unzähligen Gründungen, Umgründungen, Errichtungen von Zweigbetrieben und Niederlassungen und dem Kauf anderer Unternehmen. 1970 erfolgte die Fusion mit Wolfrum.

In den 1970er Jahren wurde der letzte große strukturelle Eingriff vorgenommen. Obwohl beide Unternehmen einen gemeinsamen Ursprung hatten, handelte es sich doch um zwei juristisch, finanziell und besitzmäßig unterschiedliche und selbständige Betriebe. Georg IV. J. E. erkannte in seiner Doppelfunktion als geschäftsführender Gesellschafter der Th & G Mautner Markhof und Geschäftsführer der Hefe- und Spiritusfabrik, dass ein Zusammenschluss nicht nur im Interesse der Betriebe selbst, sondern auch der Familie liegen müsste. Zuerst mussten die Familienbetriebe in Kapitalgesellschaften umgewandelt werden. Am 18. Juni 1975 wurde dies für die Th & G Mautner Markhof beschlossen, elf Jahre später folgte die Hefe- und Spiritusfabrik. Zu Beginn des Jahres 1979 kam es zum Zusammenschluss der beiden Simmeringer Betriebe in eine Führungs-Holding, der SNG Simmeringer Nahrungs- und Genußmittel Beteiligungsaktiengesellschaft, später Mautner Markhof Nahrungs- und Genußmittel Beteiligungsaktiengesellschaft.

1984 beschlossen die Aktionäre der Holding, neben den mit Stimmrecht versehenen Stammaktien auch stimmrechtslose Vorzugsaktien auszugeben, die an der Wiener Börse notierten. Etwa 80 % der Stammaktien befanden sich in Händen der Nachkommen von Adolf Ignaz. So war es gelungen, dem Mautner Markhof-Konzern trotz Umwandlung in einzelne Kapitalgesellschaften und ungeachtet der Börsennotierung, den Familieneinfluss zu bewahren.

Der MAUTNER MARKHOF KONZERN umfasste die Mautner Markhof Nahrungs- und Genussmittel Beteiligungsaktiengesellschaft sowie alle Firmen, an denen diese Holding direkt oder indirekt wesentlich beteiligt war:

Sein Areal umfasste umfasste eine Gesamtfläche von 141.476 Quadratmeter. 94.855 m2 entfielen auf den Stammsitz in Simmering (Mautner Markhof und Wolfrum Gesellschaft m. b. H. 57.961 m2, Th & G Mautner Markhof AG. 36.894 m2). 46.621 Quadratmeter betrafen weitere Liegenschaften in Graz, Klagenfurt, Traun und Wien.

Um die gleichmäßig hohe Qualität der im Mautner Markhof Konzern hergestellten Produkte garantieren zu können, wurden in zwei modernst ausgestatteten Betriebslaboratorien, nach den jeweils neuesten Methoden, laufend umfassende Untersuchungen von Rohstoffen, Zwischenprodukten und Fertigwaren durchgeführt. Dabei stellte auch die ständige Überprüfung der Hygiene während der gesamten Produktionsvorgänge einen wichtigen Bestandteil dar. Ständige Degustationen kontrollierten die Qualität der hergestellten Nahrungs- und Genussmittel auf Geruch und Geschmack, alle hergestellten Produkte wurden in genau festgelegten Abständen der amtlichen Begutachtung durch eine autorisierte Untersuchungsanstalt zugeführt.

Mit dem Eintritt Österreichs in die EU 1995 änderte sich die Marktlage entscheidend. Die Lizenzverträge mit namhaften Spirituosenmarken wie Campari und Bols waren sukzessive ausgelaufen und auch Lesaffre, der Welt größte Hefeproduzent, konnte plötzlich direkt nach Österreich liefern. Die 6 %ige Fixverzinsung, mit der die Mautner Markhof Nahrungs- und Genußmittel Beteiligungsaktiengesellschaft an die Wiener Börse gegangen war, konnte nur mehr schwer verdient werden. Es begannen Jahre der Strukturbereinigung in den Bereichen Verwaltung und Vertrieb und ab dem Jahr 2000 begann die Holding unter Georg IV. J. E. Verkaufsgespräche zu führen.