Nachruf/Gedenken an Marcus Mautner Markhof
Berührendes und lebendiges Menschenbild. Im Zuge des Ablebens von Marcus Mautner Markhof (*Wien 30.9.1958, † Wien 31.12.2024) gezeichnet von einem Klassenkameraden des Kollegium Kalksburg.
Ein vergilbtes Bild aus dem vergangenen Jahrhundert. Ein Dutzend junger Buben, nach heutigen Begriffen sehr ärmlich gekleidet, aber offensichtlich gut gelaunt. Mitten unter ihnen ein dunkelhaariger Knabe, dessen Gesichtsausdruck verrät, dass er entweder einen Streich gespielt hat oder knapp davor ist wieder einen solchen auszuhecken. Marcus Mautner Markhof (MMM) – es gab in den sieben Jahren des gemeinsamen Internatlebens so gut wie keinen Unsinn an dem „Mausi”, wie er auf eigenen Wunsch genannt wurde, nicht beteiligt gewesen wäre.
Wieder wird bewusst, wie sehr der „harte Kern” (also fast die ganze Klasse) des Maturajahrganges 1977 in den prägenden Jahren des Lebens zusammengewachsen ist. Mausi kam mit einem Jahr Verspätung in das Internat. Der Name Mautner Markhof war damals in Österreich ein Begriff. Die Brauerei Schwechat, der omnipräsente Familienpatriarch Manfred (auch MMM) mit kaiserlichem Backenbart und Rolls Royce, Vater Georg als liberal gesinnter Abgeordneter der FPÖ im Nationalrat, das nach der Stifterfamilie benannte Kinderspital, Senf/Essig und Hefe waren die Säulen von Wohlstand und Bekanntheit.
Marcus tat sich leicht, sich in das anfänglich recht strenge Internatssystem einzufügen, es half die Erfahrung der Zeit in einem bayerischen Internat, der ältere Bruder Quintus und vor allem seine gewinnende Art und das vorurteilslose Zugehen auf Mitschüler, Lehrer und dann später, schon in der Tanzkurszeit, auf die Damenwelt.
In den siebziger Jahren waren geschiedene Ehen eher die Ausnahme. Für Marcus bedeutete das: ein Wochenende beim Vater, ein Wochenende bei der Mutter und zwei Wochenenden pro Monat im Internat. So hat Kalksburg, wie für viele andere, Halt und wohl auch eine Art Zuhause bedeutet.
Jeder Einzelne, der ihn kannte, hat schöne, lustige oder auch berührende Erinnerungen an Mausi. Meine ist unvergesslich: Als mein Vater starb und ich nach einigen Stunden zuhause am selben Tag wieder in das Internat geschickt wurde, war er der Einzige, der auf mich zukam und mich tröstete – der Vierzehnjährige einen Dreizehnjährigen. David Bowies „Space Oddity”, abgespielt auf einer Tonkassette des großen Bruder Quintus, verbinde ich bis heute mit Mausi und mit diesen traurigen Monaten. Damals sprach man kaum über das, was einen bedrückte. Aber zumindest konnte ich ihm einige Wochen vor seinem Tod dafür danken, ohne dass ich wusste, dass es unser letztes Treffen sein würde. Er wollte ja dann „eh auf dem Altkalksburger Ball Bier ausschenken“. Das war Mausi. Traurig haben wir ihn nie gesehen, immer zuversichtlich – auch, als er uns von seiner Krebserkrankung erzählte.
Mausi war cool. Wie kein anderer kannte er den Standort des einzigen unversperrten, das heißt nur angelehnten Fensters, durch das man einsteigen konnte, wenn man erst nach Mitternacht aus der Innenstadt in das eigentlich fest verschlossene Internat zurückkam. Er bestand darauf, dass in Kalksburg ein Kochkurs eingeführt wurde. Das war im Jahr 1976 und in einer Bubenschule bis dahin völlig undenkbar. Beim Fußballspielen gab er im Strafraum immer Vollgas – in alle Richtungen. Mausi war Mittelpunkt jedes Maturatreffens und sehr vielen Kalksburgern, nicht nur den eigenen Klassenkameraden, ein naher Freund, mit dem man sich über so vieles austauschen konnte.
Als wir beide einen Streich zu viel erfunden hatten und wenige Monate vor der Matura gemeinsam aus dem Internat flogen, wurde Marcus jeden Tag aus Simmering von einem Chauffeur in die Schule gebracht und wieder abgeholt. Diesen Fahrer – in dunklem Anzug mit Mütze – und seine Kommentare zur aktuellen Lage kannten wir alle. Marcus ließ uns mit der für ihn charakteristischen Offenheit immer an allem teilhaben. Sei es ein samstägliches Mittagessen im „Coq d’Or“, ein Besuch beim eleganten Herrenfriseur der Innenstadt, die ersten Liebesbriefe, die Eigenheiten der Großfamilie… .
Nach der Schulzeit blieb die Verbundenheit bestehen. Kaum ein Maturatreffen, das Mausi ausgelassen hat. Bis zuletzt war er aktiver Teilnehmer in der, mit manchmal spätpubertärem Eifer betriebenen klasseneigenen Whatsapp-Gruppe.
Marcus hatte nach dem Jus Studium und einigen Lehrjahren das Familienunternehmen im Jahr 1994 von seinem bewunderten und oft von ihm zitierten Vater übernommen. 2002 beschloss die Familie dessen Verkauf. Die Simmeringer Hauptstraße, Heimat von Fabrik und Familie, war nicht mehr.
Mausi blieb in der Nahrungsmittelindustrie. Mit großem Einsatz verschrieb er sich dann dem turnaround der von ihm erworbenen Brauerei Grieskirchen. Kein Gastwirt im oberösterreichischen Hausruckviertel, der ihn nicht gekannt hätte. Stets unermüdlich und optimistisch im Geschäftsleben, stets eine witzige oder auch einfühlsame Bemerkung auf den Lippen, stets zu seiner Meinung stehend – dies oft genug gegen den Zeitgeist.
Seine Frau Martina war zeitlebens Partnerin und beherzte Mitkämpferin in diesem bewegten Leben. Die Kinder Mercedes, Antonia und Georg haben von ihm Charme, Zuversicht und Mut geerbt. Am Silvestertag ist Marcus Mautner Markhof nach langer Krankheit im Kreise seiner Familie friedlich entschlafen.
Leb wohl lieber Mausi! Dein Lachen im Ohr, Dein Verständnis im Herzen, Dein Enthusiasmus in der Erinnerung, Dein Optimismus als Vorbild!
Wir sehen uns wieder!


