Ditha Moser, geborene Editha Mautner von Markhof
Editha Mautner von Markhof, geboren 1883 in Wien, gestorben 1969 in Gumpoldskirchen, war das zehnte Kind von Carl Ferdinand Ritter Mautner von Markhof und das dritte und letzte Kind mit seiner zweiten Gattin Editha Freiin Sunstenau von Schützenthal. Dank ihrer Mutter wuchs sie mit ihren beiden Schwestern Hertha (Jäger) und Magda (Grasmayr) für diese Zeit bereits sehr emanzipiert auf. Gemeinsam mit Schwester Magda besuchte sie die renommierte Kunstgewerbeschule, wo sie durch selbständiges künstlerisches Schaffen auffiel und Koloman Moser (1868 – 1918), der dort als Professor tätig war, kennenlernte.
Editha und Koloman verliebten sich sofort ineinander. Moser schrieb eine Reihe an Liebesbriefen, in denen neben der respektvollen Verliebtheit auch sein Zögern zur Sprache kam, als wesentlich älterer (15 Jahre) Mann und „armer Künstler“ der „höheren Tochter“ aus wohlhabendem Haus Avancen zu machen. Es gab keinen Widerstand der Mutter, vielmehr begleitete sie das junge Paar 1904 bei einer Reise durch Norditalien und beauftragte den bereits sehr bekannten Jugendstilkünstler mit der Neugestaltung ihres Speisezimmers. Sie beauftragte auch Karl Moll mit der Planung einer Villa am Semmering, die mit einem eigenartigen alpinen Stil zu den schönsten Luxusvillen dieser Region zählt und dem jungen Paar als Sommersitz diente. Kolo Moser gehörte der Keimzelle der Wiener Sezession an, war auch an der Gestaltung des Sezessionsgebäudes beteiligt und gründete 1903 mit Josef Hoffmann die Wiener Werkstätte.
Ditha ließ sich von Kolo Moser inspirieren, entwarf Kalender, Grußkarten und Kartenspiele – u. a. eine Sonderedition Tarockkarten, mit der sie 1906 an die Goldene Hochzeit ihres Großvaters Adolf Ignaz erinnerte. Es wurde von Joseph Glanz, Wien (später übernommen von Ferd. Piatnik) in der kleinen Auflage von nur 100 Stück, als Geschenk gedacht, erstmals gedruckt. Bemerkenswert ist dieses Tarock deshalb, weil es Motive der Familie Mautner Markhof zeigt. Z. B. zeigt Tarock 18 den Sommersitz Schloss Rodaun, Tarock 19 ein Bildnis ihrer Mutter Editha Freiin Sunstenau von Schützenthal, Tarock 20 das alte Mautner Markhof-Brauereigelände im 3. Bezirk, Ecke Rennweg/Landstraßer Hauptstraße. Wieso jedoch hatte Editha für ihren Entwurf gerade das Spiel Tarock gewählt? Zur Zeit ihrer Goldenen Hochzeit (27. Juni 1881) hatte das Paar Julie Marcelline und Adolf Ignaz nicht weniger als 72 Enkelkinder, was dazu führte, dass Tarock mir lebenden Figuren gespielt werden konnte. Die Enkelkinder waren samt und sonders als ebensolche Spielkarten gekleidet gewesen. „Blattweise“ gruppierten sie sich durch Aufruf der dirigierenden Tarockspieler und wurden zu „Stichen“ zusammengeführt.“
Mode war eine weitere von Edithas Leidenschaften. Mit ihren Entwürfen setzte sie Statements zum Thema Lustobjekt kontra einer aufkommenden selbstbewussten Weiblichkeit, die sich der von der Gesellschaft zugewiesenen Rolle als passive, dekorative Frau ohne Individualität geschweige denn Kreativität, entzieht. Auch Klimts Unterstützung verhalf ihren Kreationen zu größerer Bekanntheit.
Sie und Koloman hatten am 1. Juli 1905 geheiratet, mit der gesamten Kunstprominenz dieser Jahre verkehrt und waren auch oft in den berühmten Salon der Alma Mahler geladen. Moser verstarb jedoch bereits im Jahre 1918 an einem bösartigen Kiefertumor, demselben Jahr, indem auch seine Wegbegleiter Otto Wagner, Gustav Klimt und Egon Schiele von uns gingen. Begraben ist er gemeinsam mit Editha auf dem Hietzinger Friedhof, nur wenige Meter vom Grabmal seines Schwiegervaters Carl Ferdinand entfernt.
Ditha und Kolo hatten die Söhne Karl (1906 – 1976) und Dietrich (1909 – 1925), der bereits 16jährig verstarb. Karl baute nach seiner Heimkehr aus der Gefangenschaft, gemeinsam mit seinem Kameraden Ernst Hagen (Gründer der ORF-Seniorensendung), den kurzlebigen Kulturkreis „Wiener Ring“, dem auch als Gymnasiast der bekannte Pianist Friedrich Gulda angehörte, auf.
In zweiter Ehe, ab 23. Februar 1919, war Editha mit dem selbständigen Ingenieur Adolf Hauska (1881 – 1929)), der nach nur zehn Jahren an Lungentuberkulose verstarb, verheiratet. Tochter Editha und Sohn Theodor verstarben beide bereits im Alter von nur sechs Monaten, Sohn Adolf fiel 23jährig in Ostpreußen.
Verfasst von Beate Hemmerlein







