Trauungsregister / Sterberegister der Familien Mautner von Markhof, von Reininghaus, Willner, von Waechter, von Oppolzer und Mittag von Lenkheym
Was Kirchenbücher offenbaren
Im Rahmen meiner „Dauerrecherche“ für diese Webseite konnte ich die Nachrufe und Parten aus dem Zeitungsarchiv der ÖNB mit Details zu den Einsegnungen endlich für eine gezielte Suche nach Sterbeeinträgen bei Matricula Online nutzen. Als ehemalige Krankenschwester hatte ich außerdem schon immer eine berufsbedingte Neugier was Todesursachen betrifft. Mit der Ortsinformation „Dom- und Metropolkirche zum Heiligen Stefan“ aus dem Nachruf des Wiener Salonblatts für Adolf Ignaz Mautner v. Markhof war es dann nicht mehr weit zu seinem Kirchenbuch-Sterbeeintrag, inklusive der Todesursache „Herzlähmung“. Allerdings musste ich meine Kenntnisse im Entziffern der häufig fast unleserlichen Kurrent und Sütterlin Handschriften erheblich auffrischen. Und so hangelte ich mich weiter durch die digitalisierte Vergangenheit, von seinem Eintrag zu dem seiner Ehefrau, weiter zu deren Kindern sowie zu den Taufen, Trauungen und Sterbeeinträgen vieler weiterer Familienmitglieder. Es fanden sich auch Einträge von Kindern, die leider schon vor dem ersten Lebensjahr verstorben waren, deren Namen bislang aber nicht offiziell dokumentiert wurden.
Und nur wer auch schon einmal so eine umfangreiche Online-Recherche durchgeführt hat, kann nachvollziehen, welche Euphorie sich bei mir beim Durchforsten der vergilbten Kirchenbücher einstellte, wenn ich um 2 Uhr morgens die Namen Mautner Markhof, Reininghaus, Willner, Waechter, Oppolzer, Lenkheym oder die ihrer Angetrauten und Kinder fand. Oder als ich nach langem Rätseln den Beruf eines Bräutigams als „k. u. k. Auskultant und Reserve Cadet-Wachtmeister“ und die der Trauzeugen als „Seiner Majestät wirklicher Geheimer Rath und Sectionschef“ oder „Hof- und Ministerialsecretärs-Gattin“ entziffern konnte.
Interessant sind außerdem die kleinen Infos und später eingefügten Anmerkungen, die viele dieser Matrikelverzeichnisse enthalten – Adressen, Konfessionen, Erläuterungen zu Adelsprädikaten und Namensführungen, Kirchenaustritte, Originalunterschriften von Paten und „Beiständen“, Testamentshinterlegungen, Berufsbezeichnungen, Großjährigkeitserklärungen für minderjährige Bräute, die Auswahl der Babynamen anhand der Paten etc.
Interessant dabei vor allem die teilweise großen Altersunterschiede bei Brautpaaren, Kirchenwiedereintritte, Scheidungen, Suizide als Todesursachen, oder so tragische Fälle wie der Meningitis-Tod der neunjährigen Hildegard v. Oppolzer, der ersten Tochter von Cölestine Mautner v. Markhof, obwohl ihr Vater Theodor Medizinalprofessor war.
Einige Beispiele:
- Johann Peter Reininghaus durfte als Protestant zwar Therese Mautner heiraten, musste sich als „akatholischer Bräutigam“ aber verpflichten, die zukünftigen Kinder „christkatholisch“ zu erziehen.
- Therese wiederum war bei der Hochzeit erst 18 Jahre alt, sodass ihr Vater Adolf Ignaz sein Einverständnis geben musste.
- Auch Martha Eisl brauchte trotz ihrer fast 21 Jahre die Bewilligung von ihrem Bahngeneraldirektor-Vater Reinhold zur Heirat ihres Theodors.
- Bei der 19-jährigen Emy v. Reininghaus dagegen brauchte es kein männliches Okay. Obwohl schon 18 Jahre tot, stand ihr Vater Gustav I. noch als „Fabrikant“ in der Rubrik Brauteltern – die Meinung der Mütter war damals wohl nicht gefragt.
- Im Trauungseintrag von Georg I. Heinrich Mautner v. Markhof und seiner Braut von 1864 wurde dagegen explizit darauf hingewiesen, dass beide Väter plus Gattinnen „am Leben“ waren.
Bei den Originalunterschriften der Familienmitglieder, die als Trauzeugen und Taufpaten oft persönlich im Kirchenbuch unterschreiben mussten, sollte man genauer hinsehen. Während Carl Ferdinand Mautner v. Markhof beispielsweise seinen Namen immer in einem Rutsch als „CarlFerdMautner Ritterv.Markhof“ hinterließ, unterschrieb Emilie Reininghaus mit dünner Feder, aber schwungvoll und fügte nicht nur ihren Geburtsnamen Mautner dazu, sondern auch den Vermerk „Witwe des Julius Reininghaus“.
Besonders zwischen den Familien Mautner und Reininghaus gab es für die vielen neugeborenen Kinder einen regen Austausch an Patenonkeln und -tanten, woraus eine Häufigkeit bestimmter Namen resultierte, teilweise als Zweit- oder Drittnennung. Die zuständigen Kirchenpersonen machten bei den Eintragungen jedoch gerne mal kleine Fehler – am häufigsten schrieben sie Karl statt Carl und Viktor statt Victor. Die Adelstitel wurden oft nachträglich ergänzt, inklusive umfassender Erläuterungen zur Verleihung der Adelsprädikate an die jeweiligen Väter oder Großväter.
Soweit als Anmerkungen in den Taufeinträgen verzeichnet, gab es damals schon Austritte aus der katholischen Kirche: Carl Reininghaus, Hans v. Reininghaus und Georg II. Anton Mautner v. Markhof, gefolgt von seinen Söhnen Georg III. und Gustav I. Mautner v. Markhof. Georg III. (Buwa) trat ein halbes Jahr vor seiner zweiten Ehe 1937 wieder ein, während Hans v. Reininghaus 1945 zum dritten Mal standesamtlich heiratete, in Graz.
Das Schicksal früh verstorbener Kinder traf leider viele Eltern, darunter gleich beide Reininghaus-Brüder. Johann Peter und Therese bekamen 1861 zwischen den Zwillingen Emma/Martha und Sohn Hugo noch eine Tochter namens Margaretha, die mit 9 Monaten an Meningitis starb, während Julius und Emilie Reininghaus den Tod ihres nur 5 Monate alten dritten Kindes durch „Atemlähmung“ verkraften mussten. Ein Jahr später kam Sohn Fritz auf die Welt. Man findet die Inschriften „Unser liebes Gretchen“ und „Unsere liebe kleine Gabriele“ im Kapellenbau „Familie Reininghaus“ auf dem Grazer Friedhof St. Peter. Auch Carl Ferdinand Mautner v. Markhof und seine zweite Frau Editha waren betroffen – ihr erstes Kind kam 1875 „totgeboren“ auf die Welt. In der damaligen Zeit für Carl Ferdinand wahrscheinlich umso tragischer, weil es ein Sohn war. Hatte er doch aus seiner ersten Ehe 6 Töchter und bislang mit Victor „nur“ einen männlichen Nachkommen und bekam danach mit Editha 3 weitere Töchter. August Mautner v. Markhofs erster Sohn überlebte übrigens nur 4 Wochen.
So abenteuerlich Todesursachen wie „Hirnschlagfluss“ oder „Zungenentartung“ auch klingen mögen, machen sie einen eher nachdenklich bis traurig, wenn man bedenkt, dass die „Zuckerharnruhr“ von Georg I. Heinrich Mautner v. Markhof nichts anderes war als Diabetes und ihm heute wohl ein bisschen Insulin und ein paar Ernährungstipps geholfen hätten älter als 63 Jahre zu werden. Für andere Vorfahren kamen dagegen Antibiotika, Chemotherapie, Blutdrucksenker und Betablocker zu spät. So kollabierte Helene, die Witwe von Victor Mautner v. Markhof, mit 59 Jahren filmreif im Foyer des Wiener Opernkinos und starb noch vor Ort, was laut Sterbeeintrag durch „Herzfleischentartung/Herzklappenfehler“ verursacht worden sein soll. Leider gab es auch diverse Suizide, darunter den Fenstersturz von August Mautner v. Markhof im Alter von nur 40 Jahren, im Sterbebuch bekanntermaßen als „Hirnlähmung“ getarnt, während man bei seinem Bruder Carl Ferdinand schonungslos „Selbstmord durch Erschießen“ eintrug. Die gleiche Art zu sterben wählte auch der junge Oskar, Ludwig Mautner v. Markhofs zweiter Sohn aus dritter Ehe. Tragischer Weise erschoss dieser sich mit 14 Jahren, ausgerechnet „am öffentlichen Klosett“ am Graben, der laut wien.info „ersten und mit Abstand schönsten im Jugendstil errichteten unterirdischen Bedürfnisanstalt der Stadt“. Sein alter Vater starb ein Jahr später mit 82 Jahren, ganz unspektakulär an „Gefäßverkalkung“. Was Julius Reininghaus betrifft, konnte ich seine wohl gut gehütete Todesursache im evangelischen „Todtenbuch“ des Jahres 1862 entdecken, nämlich Typhus. Auch sein Bruder Johann Peter steht im Evangelischen Sterbebuch Graz-Linkes Murufer, allerdings 39 Jahre später und mit dem unspektakulären Hinweis „Altersschwäche“.
Ich hoffe und wünsche mir, dass weltweit möglichst viele Mautner-Markhof-Nachkommen, die auf diese Webseite gelangen, sich für die – vorerst – 201 Kirchenbucheinträge ihrer Vorfahren interessieren. Denn auch dadurch können wir diese besser kennenlernen und ihr Vermächtnis bleibt bestehen. Und weil die Digitalisierung fortschreitet: Fortsetzung folgt.
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Trauungsregister der Familien Mautner von Markhof, von Reininghaus, Willner, von Waechter, von Oppolzer und Mittag von Lenkheym
Linie 1, Therese Mautner und Johann Peter v. Reininghaus
1859–1933
Linie 2, Carl Ferdinand Mautner v. Markhof und 1. Johanna Kleinoscheg, 2. Editha Sunstenau
1863–1922
Linie 3, Ludwig Mautner v. Markhof und 1. Elisabeth v. Buol, 2. Maria Wallach, 3. Anna Lang
1888–1912
Linie 4, Maria Seraphine Mautner und Anton Willner
1855–1922
Linie 5, Emilie Mautner und Julius Reininghaus
1856–1920
Linie 6, Georg I. Mautner v. Markhof und Karoline Biehler
1864–1928
Linie 7, Eleonora Mautner und Otto v. Waechter
1860–1885
Linie 8, August Mautner v. Markhof und Elisabeth v. Ankern
1872–1904
Linie 9, Coelestine Mautner und Theodor v. Oppolzer
1865–1917
Linie 10, Johanna Mautner und Wilhelm Mittag v. Lenkheym
1871–1909
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Sterberegister der Familien Mautner von Markhof, von Reininghaus, Willner, von Waechter, von Oppolzer und Mittag von Lenkheym
Linie 0, Stammeltern Adolf Ignaz Ritter Mautner v. Markhof und Julie Marcelline geb. Kadisch
1887–1889
Linie 1, Therese Mautner und Johann Peter v. Reininghaus
1862–1959
Linie 2, Carl Ferdinand Mautner v. Markhof und 1. Johanna Kleinoscheg, 2. Editha Sunstenau
1875–1938
Linie 3, Ludwig Mautner v. Markhof und 1. Elisabeth v. Buol, 2. Maria Wallach, 3. Anna Lang
1885–1920
Linie 4, Maria Seraphine Mautner und Anton Willner
1906–1929
Linie 5, Emilie Mautner und Julius Reininghaus
1861–1981
Linie 6, Georg I. Mautner v. Markhof und Karoline Biehler
1866–1930
Linie 7, Eleonora Mautner und Otto v. Waechter
1895–1937
Linie 8, August Mautner v. Markhof und Elisabeth v. Ankern
1873–1883
Linie 9, Coelestine Mautner und Theodor v. Oppolzer
1877–1926
Linie 10, Johanna Mautner und Wilhelm Mittag v. Lenkheym
1912–1913
Weitere Infos: Taufbucheinträge der Familien
