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Beate Hemmerlein

Schloss Rodaun, Sommersitz der Familie Mautner Markhof

25. März 2018/in Carl Ferdinand Ritter Mautner von Markhof /von Beate Hemmerlein

1881 erwarb Carl Ferdinand Mautner von Markhof das dreigeschossige Schloss Rodaun, das am 2. März 1405 als „Vest Rodaun“ erstmals urkundlich erwähnt wurde, als Gebäude vermutlich bereits im 12. Jahrhundert bestanden hatte. Es befindet sich an der Willergasse 53 bis 57, im Wiener Stadtteil Rodaun. 1898 wurde das Schloss von der Familie Mautner Markhof um 158.000 Gulden an den 1807 gegründeten röm.-kath. Orden Sta. Christiana (Schwestern der heiligen Kindheit Jesu und Mariä) verkauft, der sich auf Erziehung und Krankenpflege spezialisiert hatte. Der Orden eröffnete im Schloss ein Mädchenpensionat, dessen Schule seit 1902 das Öffentlichkeitsrecht besitzt. Im Nachbarort Kalksburg hatten die Jesuiten bereits seit 1856 mit dem Kollegium Kalksburg ein Knabeninternat betrieben. Im Zweiten Weltkrieg war im Schloss Rodaun eine Panzerkaserne untergebracht. Nach Kriegsende wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen und das Schulzentrum Schloss Rodaun umfasst heute eine Volksschule, eine Kooperative Mittelschule, eine Fachschule mit Aufbaulehrgang und ein Tagesinternat.

 

Bericht aus der Extrapost, Montagszeitung vom 18. Juli 1897

Der geplante Verkauf des Schloßes Rodaun.

Wie wir hörten, haben die Erben des im vorigen Jahre unter so tragischen Umständen aus dem Leben geschiedenen Besitzers der St. Marxer Brauerei den Beschluß gefaßt, das an sie übergegangene Schloß Radon zu verkaufen. Dieses große, prachtvoll gelegene, Rodaun und dessen Umgebung dominierende Gebäude, an welches sich ausgedehnte Parkanlagen anschließen, gehörte vor Zeiten den regierenden Fürsten Liechtenstein und wurde in stark vernachlässigtem Zustande – es war schließlich nur noch als Magazin benützt worden – von Herrn A. I. v. Mautner um einen sehr billigen Preis, wie es heißt um weniger als 100.000 fl., erworben. Von Seite des Herrn v. Mauten sind indessen bedeutende Summen im Rodauner Schloß investiert worden, so daß der für den großen und wertvollen Besitz geforderte Preis von 180.000 fl. noch immer mäßig ist. Auf Basis desselben unterhandeln, wie wir hören, die Jesuiten über den Ankauf des Rodauner Schloßes. Die Väter der Gesellschaft Jesu sind bekanntlich in dem unmittelbar an Rodaun angrenzenden Kalksburg sesshaft. Sie haben sich daselbst mehr und mehr ausgebreitet, so daß ihnen schon zwei Drittel von Kalksburg gehören. Nunmehr scheint es, daß sie auch Rodaun in den Bereich ihrer segensreichen Wirksamkeit einzubeziehen Willens sind. Vielleicht ist es in der Absicht der Bürger Loyola´s gelegen, die zwei Abteilungen, welche sie in ihrem Kalksburger Konvikt geschaffen haben, und von denen die eine für die Aufnahme von Söhnen aus den höheren, die andere für Sprößlinge aus den niedrigeren Ständen bestimmt ist, völlig zu separieren. Oder sollten sich die Jesuiten etwa mit dem Gedanken tragen, in Rodaun eine Anstalt zur Heranbildung von Lehrern, welche im Geiste des Ebenhoch´schen Schulantrages ihres Amtes walten könnten, zu errichten?

 



Beate Hemmerlein

Landstraßer Hauptstraße 136 – 142, der Familiensitz von Carl Ferdinand Mautner von Markhof

21. März 2018/in Carl Ferdinand Ritter Mautner von Markhof /von Beate Hemmerlein

Nach der Eheschließung mit Editha Freifrau von Sunstenau und Schützenthal änderte sich das soziale Leben Carl Ferdinands grundlegend und es folgte eine entsprechende räumliche Veränderung. Man gab die Wohnung in der Brauerei St. Marx auf und verlegte den Familiensitz in den frühen 1890er Jahren in den 3. Wiener Bezirk, Landstraße.

Häuserzeile Landstraßer Hauptstraße 142 – 136, die von Carl Ferdinand und seinen Kindern ab 1890 bewohnt wurde (© Alfred Paleczny)

Landstraßer Hauptstraße Nr. 136

Das Haus hat einen Baukern aus dem Jahr 1774, in der heutigen Form stammt es aus dem Jahr 1891 und wurde von Joseph von Wieser, einem Schüler Theophil Hansens, für Editha Mautner von Markhof errichtet. Das Gebäude mit zwei Seitenrisaliten hat eine späthistoristische Fassade in neobarocken Formen.

Joseph von Wieser war ein typischer Vertreter des Späthistorismus. Nachdem sich seine Tätigkeit weitgehend auf den Wohnbau konzentrierte und er auch nur für rund zehn Jahre als Architekt in Erscheinung trat, ist sein Werk von einer relativ großen Homogenität geprägt. Charakteristisch ist der ausgeprägt repräsentative Charakter seiner Bauten, der sich in einer reichen dekorativen Ausgestaltung, wie Schmuckgiebel und Sgrafittomalerei, niederschlägt. Die Üppigkeit des Dekors führte auch manchmal zu manieristischen Auswüchsen, die schon in der zeitgenössischen Fachpresse kritisiert wurden. Im Zuge der Propagierung des Barocks als genuin „österreichischen Stil“ erfährt diese Orientierung schließlich eine sukzessive Steigerung zu einem neobarocken Formenapparat, wie auch bei dem gegenständlichen Mietshaus.

Carl Ferdinands ehemaliger Wohnsitz

Landstraßer Hauptstraße 136

Landstraßer Hauptstraße Nr. 138 – 140

Das Gebäude ist eine unregelmäßige Anlage, die um einen Hof gruppiert ist. Der Kern stammt aus dem 18. Jahrhundert, das Gebäude wurde 1810 und 1831 erweitert. Die Fassade an der Straßenseite ist durch einen Einsprung zweigeteilt, der linke Teil weist eine Rahmengliederung und Plattendekor über einem gebänderten Sockel auf. Eine Gedenktafel erinnert daran, dass Koloman Moser hier seine Wohnung hatte. In der Einfahrt stehen vier barocke Jahreszeitenputti in Nischen, barocke Figuren und ein barocker Brunnen befinden sich auch im Garten. Ein Gartentrakt aus dem frühen 20. Jahrhundert ist zweigeschossig und weist Pilastergliederung und einen Mittelgiebel auf.

Gedenktafel Koloman Moser, Landstraßer Hauptstraße 138-140

Gedenktafel Landstraßer Hauptstraße 138

Einfahrt Landstraßer Hauptstraße 138

Landstraßer Hauptstraße 138

Landstraßer Hauptstraße Nr. 142

Die Villa Mautner-Jäger in barockklassizistischen Formen mit Mansarddach wurde 1902 von Franz von Neumann für Hertha Mautner von Markhof und ihren Mann Gustav Jäger erbaut und ist ein beispielhaftes Produkt der Belle Époque. Bekannt für seine aufwändigen späthistoristischen Fassaden war Neumann der Überzeugung, “dass die Formen der Vergangenheit konsequent fortentwickelt und weitergebildet werden müssen, damit die Architektur zu zeitgemäßen Formulierungen gelangt.” Der Villencharakter des Gebäudes ist insgesamt für die Straße völlig untypisch. Seitlich abgetrennt befindet sich ein Portierhaus und im Garten eine Kegelbahn, die 1907 von Paul Hoppe erbaut wurde.

Diskussion um Sanierung der Villa Mautner-Jäger in Wien Landstraße, Beitrag des ORF vom 26.04.2022

Landstraßer Hauptstraße 142, Villa Mautner-Jäger

Skizze zu Hertha von Jägers Salon, Anton Kling

In den Folgejahren wurde die Häuserzeile in der Landstraße zu einem der Anziehungspunkte für die jungen Künstler der Wiener Secession. Im Jahre 1906 hatten drei der führenden Gründungsmitglieder ihren Lebensmittelpunkt in oder neben der Villa Mautner Markhof. Bereits 1895 hatte der Maler Josef Engelhart Doris geheiratet, eine der drei künstlerisch tätigen Töchter Carl Ferdinands, sein Atelierhaus befand sich in der angrenzenden Steinfeldgasse 15. Josef Engelhart war der Sohn des Fleischhauers Josef Anton Engelhart (1838 – 1900) und dessen Frau Maria Apfelthaler (1842 – 1933). Eine Anekdote besagt, dass Engelharts Mutter eine eher herrische Frau gewesen war und sich ihr Sohn anlässlich seiner Heirat einen besonderen Schabernack hatte einfallen lassen. Über dem Portal seiner ehelichen Wohnstätte ließ er eine weibliche Drachenfigur anbringen, die hinter Gitterstäben gleichsam in Schranken gehalten wird. Doris Schwiegermutter soll es mit Humor genommen haben. 1905 heiratete Ditha ihren Lehrer an der Wiener Kunstgewerbeschule, den Maler Koloman Moser, und sie zogen in eine von ihm im Gartentrakt der elterlichen Villa eingerichtete Wohnung. Ein weiteres Gründungsmitglied der Secession, der Maler und Bühnenbildner Alfred Roller, lernte im Hause Mautner Markhof seine Schülerin Mileva Stoisavljevic näher kennen, mit der er sich 1906 vermählte. Das Ehepaar mietete auf Nr. 136 eine Wohnung. 1904 gestaltete Josef Hoffmann zusammen mit Koloman Moser ein Speisezimmer für Editha Mautner von Markhof.  Das von der Secession propagierte künstlerische Ideal des Gesamtkunstwerks setzte Hoffmann in den für Magda geschaffenen Räumen um. Dafür unterwarf Hoffmann die vorhandene Raumsubstanz seinem eigenen strengen architektonischen Konzept. Die Möbel waren keine beliebig auswechselbaren Einrichtungsgegenstände, sondern Teil eines klar durchdachten Raumerlebnisses. Der Raum wurde durch sie definiert. Besonders deutlich wird dies im Fall des Schlafzimmerschranks. Mit seiner Hilfe zog Hoffmann einen einheitlichen Horizont ein, der unter anderem die Höhe der Türen, der Gaskaminnische und des Bettvorhangrahmens aufnahm.

Josef Engelharts ehemaliges Atelier im Hof Steingasse 15

Portal zu Engelharts „Drachenhaus“, Steingasse 15

Josef Hoffmann, Schrank für Magda Mautner von Markhof

Beate Hemmerlein

Hugo Reinhold komponiert für Editha Mautner von Markhof

15. März 2018/in Carl Ferdinand Ritter Mautner von Markhof /von Beate Hemmerlein

Der österreichische Komponist Hugo Reinhold widmete der zweiten Frau von Carl Ferdinand Mautner von Markhof, Editha (*9. Juni 1846 Krakau, † 17. Dezember 1918) geborene Freiin Sunstenau von Schützenthal, das Werk 4 Piano Pieces.

KomponistReinhold, Hugo
Opus- oder VerzeichnisnummerOp.52
I-KatalognummerIHR 36
Sätze/Abschnitte4 pieces

  1. Novellette
  2. Etude: Am Springbrunnen
  3. Fantasiestück
  4. Scherzo

Erstveröffentlichung1894
WidmungAn Frau Editha Mautner von Markhof, geb. Baronin Sunstenau
Epoche des KomponistenRomantic
Musikalischer Stil des StückesRomantic
InstrumentationPiano

Hugo Reinhold: Klavierstücke op. 52/2: Etude (Am Springbrunnen). Mit eingedruckter Widmung „An Frau Editha Mautner von Markhof geb. Baronin Sunstenau“. Wien, Doblinger [VN D. 1902] (um 1894). 5 Seiten.

 

Hugo Reinhold
3. 3. 1854 –
4. 9. 1935

Beate Hemmerlein

Ditha Moser, geborene Editha Mautner von Markhof

10. Dezember 2017/in Carl Ferdinand Ritter Mautner von Markhof /von Beate Hemmerlein

Editha Mautner von Markhof, geboren 1883 in Wien, gestorben 1969 in Gumpoldskirchen, war das zehnte Kind von Carl Ferdinand Ritter Mautner von Markhof und das dritte und letzte Kind mit seiner zweiten Gattin Editha Freiin Sunstenau von Schützenthal. Dank ihrer Mutter wuchs sie mit ihren beiden Schwestern Hertha (Jäger) und Magda (Grasmayr) für diese Zeit bereits sehr emanzipiert auf. Gemeinsam mit Schwester Magda besuchte sie die renommierte Kunstgewerbeschule, wo sie durch selbständiges künstlerisches Schaffen auffiel und Koloman Moser (1868 – 1918), der dort als Professor tätig war, kennenlernte.

Editha und Koloman verliebten sich sofort ineinander. Moser schrieb eine Reihe an Liebesbriefen, in denen neben der respektvollen Verliebtheit auch sein Zögern zur Sprache kam, als wesentlich älterer (15 Jahre) Mann und „armer Künstler“ der „höheren Tochter“ aus wohlhabendem Haus Avancen zu machen. Es gab keinen Widerstand der Mutter, vielmehr begleitete sie das junge Paar 1904 bei einer Reise durch Norditalien und beauftragte den bereits sehr bekannten Jugendstilkünstler mit der Neugestaltung ihres Speisezimmers. Sie beauftragte auch Karl Moll mit der Planung einer Villa am Semmering, die mit einem eigenartigen alpinen Stil zu den schönsten Luxusvillen dieser Region zählt und dem jungen Paar als Sommersitz diente. Kolo Moser gehörte der Keimzelle der Wiener Sezession an, war auch an der Gestaltung des Sezessionsgebäudes beteiligt und gründete 1903 mit Josef Hoffmann die Wiener Werkstätte.

Ditha ließ sich von Kolo Moser inspirieren, entwarf Kalender, Grußkarten und Kartenspiele – u. a. eine Sonderedition Tarockkarten, mit der sie 1906 an die Goldene Hochzeit ihres Großvaters Adolf Ignaz erinnerte. Es wurde von Joseph Glanz, Wien (später übernommen von Ferd. Piatnik) in der kleinen Auflage von nur 100 Stück, als Geschenk gedacht, erstmals gedruckt. Bemerkenswert ist dieses Tarock deshalb, weil es Motive der Familie Mautner Markhof zeigt. Z. B. zeigt Tarock 18 den Sommersitz Schloss Rodaun, Tarock 19 ein Bildnis ihrer Mutter Editha Freiin Sunstenau von Schützenthal, Tarock 20 das alte Mautner Markhof-Brauereigelände im 3. Bezirk, Ecke Rennweg/Landstraßer Hauptstraße. Wieso jedoch hatte Editha für ihren Entwurf gerade das Spiel Tarock gewählt? Zur Zeit ihrer Goldenen Hochzeit (27. Juni 1881) hatte das Paar Julie Marcelline und Adolf Ignaz nicht weniger als 72 Enkelkinder, was dazu führte, dass Tarock mir lebenden Figuren gespielt werden konnte. Die Enkelkinder waren samt und sonders als ebensolche Spielkarten gekleidet gewesen. „Blattweise“ gruppierten sie sich durch Aufruf der dirigierenden Tarockspieler und wurden zu „Stichen“ zusammengeführt.“

Mode war eine weitere von Edithas Leidenschaften. Mit ihren Entwürfen setzte sie Statements zum Thema Lustobjekt kontra einer aufkommenden selbstbewussten Weiblichkeit, die sich der von der Gesellschaft zugewiesenen Rolle als passive, dekorative Frau ohne Individualität geschweige denn Kreativität, entzieht. Auch Klimts Unterstützung verhalf ihren Kreationen zu größerer Bekanntheit.

Sie und Koloman hatten am 1. Juli 1905 geheiratet, mit der gesamten Kunstprominenz dieser Jahre verkehrt und waren auch oft in den berühmten Salon der Alma Mahler geladen. Moser verstarb jedoch bereits im Jahre 1918 an einem bösartigen Kiefertumor, demselben Jahr, indem auch seine Wegbegleiter Otto Wagner, Gustav Klimt und Egon Schiele von uns gingen. Begraben ist er gemeinsam mit Editha auf dem Hietzinger Friedhof, nur wenige Meter vom Grabmal seines Schwiegervaters Carl Ferdinand entfernt.

Nachruf Koloman Moser, Neues Wiener Tagblatt, 19.10.1918, ANNO ÖNB

Erinnerungen an Kolo Moser, Neues Wiener Journal, 20.10.1918, ANNO ÖNB

Ditha und Kolo hatten die Söhne Karl (1906 – 1976) und Dietrich (1909 – 1925), der bereits 16jährig verstarb. Karl baute nach seiner Heimkehr aus der Gefangenschaft, gemeinsam mit seinem Kameraden Ernst Hagen (Gründer der ORF-Seniorensendung), den kurzlebigen Kulturkreis „Wiener Ring“, dem auch als Gymnasiast der bekannte Pianist Friedrich Gulda angehörte, auf.

In zweiter Ehe, ab 23. Februar 1919, war Editha mit dem selbständigen Ingenieur Adolf Hauska (1881 – 1929)), der nach nur zehn Jahren an Lungentuberkulose verstarb, verheiratet. Tochter Editha und Sohn Theodor verstarben beide bereits im Alter von nur sechs Monaten, Sohn Adolf fiel 23jährig in Ostpreußen.

Editha (Ditha) Moser geb. Mautner Markhof


Editha Mautner Markhof in einem Kleid nach dem Entwurf ihres Mannes Koloman Moser

Editha (Ditha) Moser geb. Mautner Markhof, 1905


Ditha Moser Jugendstil-Tarock

Kolo Moser 1903

Editha (Ditha) Moser geb. Mautner Markhof in einem Kleid nach dem Entwurf ihres Mannes Koloman Moser.


Editha und Koloman Moser mit den Söhnen Karl und Dietrich

Verfasst von Beate Hemmerlein

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