Weltausstellungen – Lebenserinnerungen von Manfred II Mautner Markhof

Als Regierungskommissär war ich für mehrere Weltausstellungen federführend tätig, auch eine Arbeit, die mir immer besondere Freude bereitete.

1964 New York

Meine Funktion übte ich erstmals für die Weltausstellung 1964 in New York aus, die damals allerdings vom bureau international des expositions (Internationales Büro der Ausstellungen, BIE) geleitet wurde. Grund dafür, die Weltausstellung damals in New York zu veranstalten war natürlich eine erhoffte Wiederwahl von John F. Kennedy. Seine Ermordung machte dem ganzen einen unerwarteten Strich durch die Rechnung und die Weltausstellung verfehlte ihre ursprüngliche Intention. In meiner damaligen Position legte man mir von Österreich aus nahe, die Ausstellung mit einer kleinen Vortragsreihe zu verbinden, was ich auch gerne organisierte. Im Zuge dieser Reise war auch St. Louis eine meiner Vortragsstationen gewesen, wo ich eine für mich sehr berührende Begegnung machen durfte. Ich wurde damals on meinen guten Freunden von Gontard (ich habe von ihnen schon in Bezug auf mein früheres Auslandsjahr in Amerika berichtet) abgeholt, als ich plötzlich unseren ehemaligen Bundeskanzler Schuschnigg in einer hinteren Reihe stehend erblickte. Ich war sprachlos über sein Kommen zum Flugplatz und beeilte mich sehr, ihn zu begrüßen. Als ich später von meinen Freunden gefragt wurde, um wen ich da denn so ein Aufsehen gemacht hätte, antwortete ich ihnen mit nicht wenig Stolz, dass dieser Herr unser letzter Bundeskanzler vor der Übernahme Österreichs durch Hitler war. Auch heute noch verteidige ich Schuschnigg sehr n seiner damaligen Handlungsweise – es wird ihm oft vorgeworfen, er hätte sich damals widerstandslos ergeben, ohne auch nur einen Schuss fallen zu lassen. Meiner Meinung nach hätte das nur ein sinnloses Blutvergießen bedeutet und nichts am Nachfolgenden verhindert. Außerdem war Schuschnigg ein äußerst religiöser Mensch, was seine Handlungsweise vielleicht noch verständlicher erscheinen lässt.

1967 Montreal

1967 kam es zur Weltausstellung in Montreal, Kanada, bei der Österreich wieder und sehr erfolgreich vertreten war. Unser Bundespräsident Jonas absolvierte damals einen Staatsbesuch, an den ich mich dank einer netten Anekdote noch sehr gut erinnern kann: und zwar war es weitaus bekannt, dass die Englischkenntnisse von Jonas nicht gerade hinreißend waren. Zum Anlass seines Besuches wurde ein Staatsdinner gegeben, wo zuerst der kanadische Gouverneur eine exzellente Rede hielt, gefolgt vom Secretary of State, also dem kanadischen Außenminister, gefolgt von einer Rede von mir. Schließlich erhob sich unser Bundespräsident, sein Sekretär reichte ihm die vorbereitete Rede, die er jedoch nicht annahm, zum Schrecken der anderen Österreicher, und setzte an: „And now, I am going to deliver another excellent speech!“ Damit hatte er alle Herzen gewonnen und konnte auch für seine Rede einen schönen Erfolg verbuchen. Die kanadische Weltausstellung hatte ein besonderes Highlight, und zwar boten wir dort einen ganzen Opernmonat mit fünf Opern: Don Giovanni, Figaro, Elektra, Rosenkavalier und Wozzeck. Dieser Opernmonat wurde von den Besuchern mit großem Interesse wahrgenommen und wurde ein riesiger Erfolg. Der unumstrittene Star war damals sicherlich Birgit Nilsson, die mit Standing Ovations verabschiedet wurde.

1992 Sevilla

Ein besonderer Umstand ließ die Weltausstellung in Sevilla für mich persönlich zu meinem schönsten Erfolg werden: und zwar fand die Weltausstellung gerade zu dem Zeitpunkt statt, als das ehemalige Jugoslawien zu existieren aufgehört hatte. In diesem Zusammenhang bekam ich damals einen Anruf des spanischen Regierungskommissars. Er teilte mir mit, die Regierungskommissarin von nun plötzlich Ex-Jugoslawien hätte angemeldet, sie wolle trotz der politischen Umschwünge auf alle Fälle den jugoslawischen Pavillon präsentieren. Ich war damals sehr für diesen Vorschlag. Folglich rief ich im Außenministerium an, um anzufragen, wie ich mich in dieser Situation verhalten solle. Die großartige Antwort war: „Sie werden schon wissen!“ Ich beschloss daraufhin, jedenfalls mit Spanien, das auch für die Offenhaltung des jugoslawischen Pavillons eintrat, zu stimmen. Folglich musste ich diesen Vorschlag in der monatlichen Sitzung des Exekutivkomitees einbringen. Davor verhandelte ich mit dem spanischen Regierungskommissar, und wir einigten uns auf folgende Vorgehensweise: er solle als Gastgeberland den Vorschlag vortragen, und ich würde daraufhin einhaken mit der Frage: „Any objections?“ Als wir die Sitzung schlussendlich abhielten, folgte meiner Frage eine kurze Schreckenspause, daraufhin meinte der englische Regierungskommissar: „We certainly have!“, was eine zweistündige Diskussion zur Folge hatte, an deren Ende das ehemalige Jugoslawien für die Weltausstellung einstimmig zugelassen wurde!

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