Georg Heinrich

Georg Heinrich Ritter Mautner von Markhof / 8.5.1840 – 15.5.1904

Obwohl Adolf Ignaz mit Recht als Stammvater der Familie zu betiteln ist, steht diese Auszeichnung in gewissem Sinne auch Georg I. Heinrich, seinem sechsten Kind und dritten Sohn, zu. Er nimmt in der Familiengeschichte einen ganz besonderen Platz ein, als Begründer einer „Nebenlinie“, der es zu verdanken ist, dass die unternehmerische Geschichte der Familie Mautner Markhof bis ins 21. Jahrhundert hinein eine national, teilweise sogar international bedeutsame Dimension erreichte.

Nachdem Georg I. im Hauptbetrieb der Familie, der Brauerei St. Marx, seine Jugend verbracht hatte und auch in das Brauereiwesen eingewiesen worden war, durfte er ab 1864 eine eigene Hefe- und Spiritusfabrik in Floridsdorf errichten. Deren gesamte Hefeproduktion musste er allerdings, aufgrund einer Vereinbarung, an die Brauerei St. Marx abliefern, die zu dieser Zeit noch sein Vater Adolf Ignaz, später sein Bruder Carl Ferdinand und danach dessen Sohn Victor führte. So erweiterte er 1872 die Hefefabrik um eine Mälzerei, die er mit seinem Schwager Otto Waechter betrieb, jedoch im Jahr 1890 an seinen Bruder Carl Ferdinand verkaufte.

Adolf Ignaz hatte Georg I. nicht nur nicht für das Brauereigeschäft vorgesehen, ja es war ihm sogar gegen Entrichtung einer hohen Konventionalstrafe untersagt, ein Konkurrenzunternehmen zu betreiben. Dennoch beschloss er 1892 – selbstverständlich gegen Begleichung der vereinbarten Zahlung – am Standort Floridsdorf eine eigene Brauerei zu errichten: die St. Georg.

Das untergärige St. Georgs Märzenbier genoss einen ausgezeichneten nationalen wie internationalen Ruf, was mitunter daran lag, dass Georg I. seine Qualitätsansprüche an jenen des Pilsner Bieres ausrichtete und der Betrieb über die damals modernste Brautechnik verfügte. Abgesehen davon kümmerte sich Georg, wie vor ihm schon sein Vater, nicht nur mit größter Sorgfalt um seine Kunden, sondern mit genauso großem sozialen Verständnis um seine Angestellten und Arbeiter. Dieses soziale Engagement erstreckte sich darüber hinaus auch auf die Förderung von Kinderheimen, die Versorgung von Schulkindern mit warmem Essen oder die weitere finanzielle Unterstützung der von seinem Vater errichteten Stiftungen zugunsten von Waisen und armen Kindern.

Georg I. war seit 1864 mit Charlotte Biehler (1845 – 1905) verheiratet und hatte sieben Kinder. Seine Söhne Theodor und Georg II. erbten nach ihrem Vater die Brauerei und übernahmen die Filialbetriebe in Simmering. Den Brüdern gelangt es – später unterstützt durch ihre Söhne Gerhard, Manfred I., Georg lll. und Gustav I. – jene industriellen Bereiche zurückzuholen, die von Victor seinerzeit aus der Hand gegeben worden waren.

Georg I. Heinrich Ritter Mautner von Markhof übersiedelte 1864 in ein neu gegründetes Werk in der Prager Straße 20, Wien Floridsdorf. 1872 kaufte er eine Mühle und erweiterte gemeinsam mit seinem Schwager Otto Freiherr von Waechter den Betrieb um eine Malzfabrik, die unter „Waechter & Mautner“ firmierte und bald eine der größten Österreichs werden sollte. 1884 erwarb er eine kleine Brauerei in Leopoldsdorf, verkaufte sie fünf Jahre später an die Familie Waechter weiter und investierte 1892 den Erlös in die Gründung seiner eigenen Biererzeugung, der er den Namen „Brauerei zum Sankt Georg“ gab. Im Februar 1893 ging die Anlage in Betrieb. Mit der Gründung von St. Georg wurde auch die von Adolf Ignaz vorgesehene (um Rivalität vorzubeugen) „Konventionalstrafe“ an seinen Bruder Carl Ferdinand (er leitete die Brauerei St. Marx) fällig, die heute in etwa einem Wert von 2,5 Mio. Euro entspricht und selbstverständlich in bestem Einvernehmen beglichen wurde.

Trotz seiner herausragenden Stellung ist doch nicht allzu viel Persönliches über Georg Heinrich überliefert. Gewiss ist, dass er – wie viele Mautners der früheren Generationen – zwar ein sehr lieber und selbstbewusster Herr war, der es jedoch auch äußerst ungern sah, wenn man ihm widersprach. Doch ungeachtet seines dominanten Auftretens wurde er von den meisten Familienmitgliedern heiß geliebt. So hat beispielsweise seine Schwiegertochter Emy, bis zu ihrem eigenen Ableben, an jedem 15. Mai dafür gesorgt, dass sein Grab mit einem Kranz geschmückt war. Wer sich noch etwa 70 Jahre später in so liebevoller Weise an den Schwiegervater erinnert, muss ihn wohl von ganzem Herzen geschätzt haben. Auch besaß er wie sein Vater großes Ansehen innerhalb der Bevölkerung. Er kümmerte sich um die sozialen Probleme seiner Zeit, subventionierte großzügig Kinderheime und führte gemeinsam mit seiner Gattin Charlotte Adolf Ignaz´ Stiftungen für Waisenkinder fort. Zwischen 1897 und 1900 bekamen arme Schulkinder auf seine Initiative hin ein warmes Mittagessen – er war Obmann des Ortsschulrates und Mitglied des Bezirksschulrates. Die Gemeinden Groß-Jedlersdorf und Baden ernannten ihn ob seiner Verdienste zum Ehrenbürger.

Von den und für die Nachkommen von Georg Heinrich & Charlotte Biehler